Warum Trost kein Trost ist

Trost

Diejenigen, die schon das Vergnügen hatten, mit mir zusammenzuarbeiten, haben in der Regel irgendwann einen meiner (Lieblings-)Sprüche gehört – manchmal früher, manchmal später und nicht immer war es dann ein Vergnügen, diesen Spruch zu hören (so wie die Zusammenarbeit mit mir auch nicht immer ein Vergnügen ist, weil ich manchmal unbequem sein kann).

„Schwacher Trost für Sie … aber das geht den meisten so.” Oder “… aber das ist bei den meisten so.“

Was will ich damit ausdrücken und warum ist das dann kein Trost?

In der Regel verwende ich diesen Spruch, wenn ich auf eine Situation bei Kunden treffe, die ich vergleichbar in der Vergangenheit woanders ähnlich schon gesehen hatte. Typischerweise handelt es sich dann um irgendwelche Probleme, die in Geschäftsprozessen auftreten. Manchmal haben die Kunden selbst schon Verbesserungsanläufe gestartet, vielleicht auch erste Erfolge erzielt, aber irgendwie hatten sie keinen Bestand.

Manchmal tritt auch erstmal nur die Erkenntnis sein, dass eine Situation als unerwünscht eingeordnet wird, dass ein Missstand im Grunde schon lange besteht.

Vereinfacht und verallgemeinernd geht es immer darum, dass eine Lücke zwischen dem Ist-Zustand und dem gewünschten Zustand identifiziert wird. Wobei letzteres zu Beginn oft nicht wirklich klar ist und es sich eher um ein Weg-von-Verhalten handelt, bei dem im ersten Schritt einfach nur eine Form einer Fluchtreaktion weg von dem unerwünschten Ist-Zustand auftritt.

So weit, so gut. Aber Sie fragen sich jetzt vielleicht, was das mit Trost zu tun und warum aber der Trost doch keiner ist. Ein geschätzter Kollege nennt das immer „do, aber ned do“ ;-)

Natürlich kann es ein Trost sein, wenn man erkennt, dass man mit einem Problem nicht alleinsteht auf der Welt, dass andere mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben und vielleicht Fortschritte auch nicht im gewünschten Maß oder in der gewünschten Geschwindigkeit auftreten oder eintreten.

„Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.“

– Thomas Mann

Speziell letztere Formulierung deuten dann schon an, dass es nicht darum geht, was anderen passiert oder was eben eher passiv mit einem selbst passiert.

Natürlich kann man aus dem Verhalten von anderen etwas lernen, bspw. wie diese mit einer unerwünschten Situation umgegangen sind. Letztlich basiert ein ziemlich großer Teil dessen, was man Lean Management nennt, auf den Erfahrungen anderer, nicht nur Toyota, sondern auch deren Vorläufer (bspw. aus dem TWI-Kontext). Dieses Lernen aus Erfahrungen anderer ist im Grunde die Basis jeder menschlichen Weiterentwicklung, sei es in Organisationen oder auch auf der persönlichen Ebene. Dem kann und sollte man sich nicht entziehen.

Und trotzdem ist diese Erkenntnis eben ein schwacher Trost. Erstens, weil die Problembewältigung anderer zwar schön für die ist, aber eben erstmal an dem eigenen Problem noch nicht verändert.

Und zweitens bedeutet es deshalb auch, dass man an den eigenen Problemen auch selbst arbeiten muss. Dass Fortschritte nicht einfach so auftreten oder eintreten, sondern dass man dafür schon selbst in irgendeiner Form ins Handeln kommen muss.

Natürlich kann man sich dafür Unterstützung in der ein oder anderen Form holen und damit im Grund auch auf Erfahrung anderer zurückgreifen. Spätestens, wenn es dann aber um die notwendige (und unbequeme) Veränderung geht, ist man selbst mit im Boot und kommt aus dieser Nummer auch nicht raus.

Das gilt für die notwendigen und begleitenden Lernerfahrungen [1] aber eben auch darüberhinaus für die Handlungen, die aus den intellektuellen Erkenntnis auch Veränderungen auf der physischen Ebene bewirken.

Und auch hier gilt dann die Kernaussage dieses Artikels, dass diese Handlungen auch anderen schwergefallen sind und trotzdem nur die eigenen Handlungen wirklich eine Veränderung bewirken können. Und sich aus den möglichen kausalen Zusammenhängen bei Handlungen anderer noch nicht zwingend auch Kausalitäten im eigenen Kontext ergeben müssen.

Frage: Welche Erkenntnisse konnten Sie aus Erfahrungen anderer ziehen? Welche Veränderungen haben sich daraus ergeben? Wie hat Ihr eigener Beitrag ausgesehen?

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