Wie sich Lernen unterscheidet

Lernen

Wenn Sie sich jetzt fragen, zu was denn der Unterschied bestehen soll, haben Sie schon mal einen wichtigen Punkt erkannt, der dieser Fragestellung und in vielen anderen Fällen (erstmal) gar nicht betrachtet wird. Viele Aussagen aber auch Kennzahlen sind erst wirklich sinnvoll, wenn man in Bezug zu einer anderen Sache setzt oder zumindest den Kontext betrachtet, in dem die Aussage gemacht oder eine Kennzahl erfasst wird.

Der Punkt, auf den ich hier bzgl. Lernen Bezug nehmen will, ist unter anderem die Tatsache, dass lernen als Verb nur in einer aktiven Form existiert. D.h. ein Subjekt – typischerweise ein Mensch – lernt etwas. Von diesem Vorgang gibt es jetzt aber keine passive Variante.

Zu abstrakt?

Vielleicht mal (zum Unterschied ;-) ein Gegenbeispiel: Massieren – man kann andere oder in eingeschränktem Umfang sich selbst massieren und man kann massiert werden. Das ist dann die passive Ausprägung des Vorgangs.

Oder man kann etwas verbessern (welche eine Überraschung). Die passive Variante ist dann, dass mit oder an dem passiven „etwas“ etwas verbessert wird, durchaus auch ohne dessen Zutun, speziell wenn es sich um eine Sache oder einen Prozess handelt.

Zurück zum Lernen und der Überlegung, ob es hier nicht doch auch die passive Ausprägung gibt. Um das zu entscheiden, betrachten wir mal das Erlernen einer Fremdsprache (oder durchaus auch der eigenen Muttersprache). Wäre es jetzt wirklich vorstellbar, dass das ohne eigenes Zutun funktioniert? D.h. ohne dass die noch fremden Wörter gelesen werden, ohne dass der Aussprache zugehört wird, ohne dass sie ausgesprochen oder geschrieben werden. Im Grund wäre die einzige Aktivität einer anderen Person die Kontrolle des Lernfortschritts. Der aber nur sinnvoll ist, wenn das (aktive) Lernen selbst schon stattgefunden hat.

Jetzt wenden Sie vielleicht ein, aber was ist dem Lehrer? Hat der nicht die vergleichbar aktive Rolle des Masseurs?

Meine Antwort auf diesen Einwand ist dann aber, dass lernen und lehren zwei unterschiedliche (!) Vorgänge sind und dabei bspw. nicht vergleichbar mit der aktiven und passiven Form des Massierens ist. Lernen geht dabei auch ohne Lehrer, während lehren nicht ohne lernen geht – was bspw. auch im Grundprinzip der Job Instructions zum Ausdruck kommt: „Wenn der Schüler nicht gelernt hat, hat der Lehrer nicht gelehrt.“ Von der Umkehrung ist dabei nicht die Rede.

„Das T-Shirt schwitzt nicht von allein.“

– Uwe Hück

Neben diesem Unterschied zwischen der aktiven und (beim Lernen nicht möglichen) passiven Form gibt es noch eine weitere Sache, über die man sich beim Lernen bewusst sein sollte.

Warum es dabei geht, wird klarer, wenn wir statt dem Menschen, der etwas lernt, ein Tier nehmen, das etwas lernt. Da stellt sich nämlich die Frage, welche Rolle da der Lehrer hat und ob der Begriff des Lernens da wirklich eine angemessene Beschreibung ist. In meinen Augen handelt es sich nämlich nicht um einen Lernvorgang (der also vom Tier aktiv bestritten wird), sondern um eine Form der Konditionierung, zumindest wenn wir annehmen, dass zum Lernen auch der aktive Vorgang der Reflexion dazugehört und Tiere nach dem mir bekannten Kenntnisstand der Wissenschaft dazu nicht in der Lage sind.

Wenn Sie jetzt einwenden, dass das Erlernen der Muttersprache typischerweise auch eher selten mit einer aktiven Reflexion eines Kindes einhergeht, stimme ich Ihnen so weit zu und erwidere, dass ich auch das „Erlernen“ der Muttersprache eher als eine Form der (passiven) Konditionierung bezeichnen würde, als eine aktive Form des Lernens wie das vielleicht später bei einer Fremdsprache der Fall ist.

In meinen Augen hebt erst die Reflexion über das Erlernte und den Lernprozess den Vorgang an sich und die dabei erlernten Inhalte in ihrer betreffenden Form über die Masse der unbewussten, tw. vererbten Fähigkeiten und passiv erworbenen Routinen und Gewohnheiten hinaus.

Das ist dann auch der Punkt, an dem der Lehrer durchaus wieder eine aktive Rolle einnehmen kann, wenn es darum geht, diese Reflexion durch geeignete Fragen anzustoßen und entwickeln. Dass es sich dabei auch um eine Fähigkeit handelt, die typischerweise erst erlernt werden muss, ist der eigentlich Wert der Toyota Kata und insbesondere der Coaching-Kata, welche in ihren Inhalten und Vorgehensweise auch eine Form der Fremdreflexion darstellt, deren Wert erst dadurch entsteht, dass eine dritte Person von außen unbeteiligt auf eine Situation und ein Verhalten blickt.

Dazu kommt dann noch die (mentale) Unterstützung des Schülers durch den Lehrer/Coach, wenn der Schüler durch die für das Lernen notwendigen Phasen der Unbequemlichkeit geht und dabei auch vermeintliche Rückschläge erleidet.

Wenn Sie wissen möchten, wie mit der Coaching-Kata Lernprozesse aktiv unterstützt werden , nehmen Sie gerne Kontakt mit mir über dieses Formular auf oder greifen Sie einfach zum Telefon und rufen Sie mich unter 0171-7342717 an.

Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an.

Frage: Welche Ausprägung haben Lernprozesse in Ihrem Verantwortungsbereich? Welche Reaktionen erleben Sie bei den Beteiligten? Welche Rolle nehmen Sie in diesen Situationen ein?

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