Kaizen 2 go 098 : Next-Level-Projektmanagement


 

Inhalt der Episode

  • Was sind typische Herausforderungen für Projektmanager?
  • Was sind die Grenzen klassischer PM-Ausbildungen und was bedeutet das für die PM? Was kann dagegen tun, wie sehen die Alternativen aus?
  • Was unterscheidet einen außergewöhnlichen von einem normalen Projektmanager?
  • Was ist der Unterschied zwischen einem Manager, einem Leader und einem Host?
  • Was macht den Unterschied zwischen einem Team von Außergewöhnlichen und einem außergewöhnlichen Team?
  • Fünf Faktoren eines außergewöhnlichen Teams
  • Wie kann eine Veranstaltung gestaltet werden, dass Teilnehmer eine nachhaltige Veränderung erfahren?

Notizen zur Episode


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(Teil)automatisiertes Transkript

Episode 98 – Next-Level-Projektmanagement

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich wieder Oliver Buhr bei mir Podcast-Gespräch. Wir hatten schon mal eine Episode gemacht. Da ging es um Trainingsprozesse. Heute geht es im Kern um Projektmanagement, Next-Level-Projektmanagement. Hallo Oliver.

Oliver Buhr: Hallo Götz, schön dass ich bei dir zum Wiederholungstäter werden darf und jetzt zum zweiten Mal schon wieder in deinen Podcast bin.

Götz Müller: Ich glaube, so einerseits ist das Thema wieder sehr ähnlich: Projektmanagement, Training, aber andererseits auch wieder ganz anders. Aber vielleicht zum Einstieg sag noch zwei drei Sätze zu dir selber, damit die Zuhörer, die vielleicht die erste Episode nicht gehört haben, dich trotzdem irgendwo einordnen können.

Oliver Buhr: Ja sehr gerne. Vielen Dank Götz. Ja, mein Name ist Oliver Buhr. Ich bin studierter Diplom-Ingenieur und das ist schon ganz ganz lange her, das ist schon über 25 Jahre her und wenn ich so rückblickend auf mein Berufsleben schaue, dann kann ich sagen, dass der größte Teil meiner beruflichen Tätigkeit durch Projekte geprägt war. Das ist jetzt wirklich schon über 25 Jahre. Das war nicht so beabsichtigt. Das hat sich so ergeben. Und ich habe mehrere Stationen durchlaufen das was mich am meisten geprägt hat war Angestelltentätigkeit als Projektmanager am Frankfurter Flughafen. Da durfte ich viele Projekte machen, die herausfordernd waren. Das Jahr 2000 Projekt habe ich gemacht, 17 Jahre her, ich habe Internetprojekte gemacht, Content-Management-Systeme. Ich durfte auch Prozessoptimierung machen: Wie schaffen wir ist das die Busse, pünktlicher vom Terminal zum Flugzeug kommen?

Und seit 12 Jahren bin ich jetzt selbstständig. Ich habe vor 12 Jahren mein Unternehmen COPARGO gegründet. Wir machen, Seminare, Trainings und auch Beratung und wir konzentrieren uns auf Projektmanagement und unser Credo ist es Projekt-Management zu vermitteln, das schlank ist, das wirksam ist, das pragmatisch ist. Das geht auch so ein bisschen in deine Richtung. Du hast ja auch das Credo: „Das Leben ist zu kurz für Verschwendung.“ Und das machen wir auch im Projektmanagement, wenn ihr das vermitteln, wirklich nur das, was man tatsächlich braucht. Ja, das mal so in Kürze.

Götz Müller: Wir haben ja im Grunde einen sehr ähnlichen Werdegang, haben beide
Elektrotechnik studiert, dann eben auch Projekte geleitet. Mir kam dann gerade so der Gedanke, ging mir durch den Kopf: Man wird wird ja im Grunde nicht als Projektmanager geboren, man wird zwar auch nicht als Ingenieur geboren, aber trotzdem das eine studiert man, das andere wird man dann irgendwo. Deshalb glaube ich, bist du auch berufen jetzt hier über das Thema „Wie werde ich zum Projektmanager? Wie werde ich auch ein guter Projektmanager?“ zu sprechen.
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um Einstieg möchte ich aber fast noch einen Schritt zurückgehen und fragen: Was sind denn so klassische Herausforderung typische Herausforderungen für Projektmanager? Ja vielleicht bevor sie es überhaupt sind oder bevor sie überhaupt dieses Bewusstsein haben: Ja, jetzt bin ich Projektmanager.

Oliver Buhr: Ja also ich möchte vielleicht sogar noch einen Schritt weiter gehen, weil, ich habe das selber am eigenen Leib erfahren, als ich dann so in die Rolle eines Projektmanagers geraten bin, habe ich mich gefragt, was muss ich denn für Skills und Kompetenzen erwerben und ich habe dann, so Kurse besucht wie Projektplanung und Netzplantechnik und so machst du Projektcontrolling. Das hat mir vordergründig auch geholfen in der Arbeit, genau in diesem Metier und so richtig, die Durchbrüche hatte ich nicht. Also, ich glaube, vielleicht noch mal eine Sache vorweg, ich glaube, man bringt schon so ein bisschen Naturtalent mit, wenn man als Projektmanager irgendwann mal auserkoren wird oder merkt, dass man das gerne macht, Projekte durchzuführen, dann ist das ein bisschen neben der Fachlichkeit, die man oft mitbringt, auch so, ja so so Kommunikationsfähigkeit, ich kann gut mit anderen Leuten und ich kann gut koordinieren und gut abstimmen. Das ist das, so eine Art Talent, was man mitbringt und dann versucht man, das aufzubauen und im Projektmanagement schlau zu werden und versucht sich so operative Sachen anzueignen. Das war so meine erste Stufe.

Und die zweite Stufe war dann dass ich wirklich richtiges Management kennengelernt habe, also Projektmanagement mit Prozessen und Rollen und wie man so eine Umgebung schafft und das hat mir auch schon recht gut geholfen und das hat den Scope so ein bisschen erweitert. Mit der Zeit wird man ja schlauer und erfahrener und ich glaube mittlerweile dass wir den, dass es Herausforderungen gibt, die man über das was ich jetzt eingangs über diese zwei Stufen geschildert habe, immer noch nicht in den Griff bekommt. Das sind dann so Sachen wie, das komplexe Umfeld mit den ganzen Stakeholdern, wo es immer noch Missverständnisse gibt, wo Konflikte entstehen, wo man sich nicht versteht und aneinander vorbeiarbeitet. Das hat sehr viel, also sehr viele Herausforderungen kommen, glaube ich, auch hoch mit dem Projektteam, also die Zusammenarbeit im Team, die Motivation des Teams, und ich glaube, sehr oft kranken Projekte auch daran, weil die Menschen die im Projekt arbeiten auch irgendwann dann mal abschalten und sagen „Ich bin überlastet, mir macht es keinen Spaß mehr.“ Und sie machen dann so Decommitment und das führt dann eben dazu, dass wir nicht mehr den Schwung und nicht mehr die Performance in Projekten haben. Also zusammengefasst, Götz: Ich glaube, es ist mittlerweile so Commodity, dass wir eben wissen wie man Projekte macht und es gibt immer noch Herausforderungen, die noch bewältigt werden dürfen. Und da dürfen wir uns überlegen, wie wir das hinkriegen.

Götz Müller: Ich habe das Gefühl, das wird eine unheimlich reflektive Episode und deshalb an der Stelle, ich meine, da kommst du ja aktuell auch irgendwoher: Projektmanagement-Ausbildung, PRINCE2 was ihr da speziell macht. Das ist ja jetzt im Grunde ein sehr klassisches Modell, gibt es schon, ja, ich glaube, man kann durchaus von Jahrzehnten reden. Und da bist du auch schon lange unterwegs. Was sind deiner Ansicht nach auch einfach die Grenzen dieser klassischen Projektmanagement-Ausbildungen und was bedeutet das dann für das daraus resultierende Projektmanagement?

Oliver Buhr: Ja, als ich habe das selber am eigenen Leib auch erfahren. Das ist vielleicht so 5-6 Jahre her. Ich war so ein Missionar für PRINCE2 und ich habe eigentlich jedes Problem, dass es im Projekten gab mit PRINCE2 gelöst und das war für mich wirklich die Lösung an sich und dann habe ich immer mehr gehört so von agilen Vorgehensweisen und habe zuerst: Naja, das ist nur für die Leute, die halt Software-Entwicklung machen und das ist etwas was im normalen Projektmanagement eigentlich nicht so die Rolle spielt. Mittlerweile bin ich eigentlich schlauer geworden und überzeugt auch davon, dass sowohl klassisch als auch agile Vorgehensweisen unser Spektrum der Lösungsmöglichkeiten erweitern. Also es gibt Projekte, die wir vor 20 Jahren, heute und in 20 Jahren immer noch klassisch lösen werden, weil es die Aufgabenstellung erfordert und mit agilem Projektmanagement haben wir heute auch ein erweitertes Spektrum an Lösungsmöglichkeiten, auch gerade für die Aufgabenstellung der heutigen Zeit. Und, also ich sage, dass agiles Projektmanagement eine wunderbare Ergänzung ist für ganz bestimmte Anforderungen von Projekten.

Götz Müller: Was würdest du jetzt sagen, gerade um das noch ein bisschen zu vertiefen, klassisches Projektmanagement macht man schon seit 20 Jahren in bestimmten Bereichen so und wird man wahrscheinlich in 20 Jahren auch noch so machen. Um vielleicht auch dem ein oder Zuhörer da eine Idee mitzugeben: Was hattest du da im Kopf, welche Projekttypen, welches Umfeld, wo man bei dem bleiben wird? Man muss nicht immer gleich auf jedes neue Pferd setzen?

Oliver Buhr: Ja, ja, Also ich habe auch mal so eine Checkliste gemacht, um das auch meinen Kunden ein bisschen leichter zu machen, wann agil und wann klassisch. Und wenn ich mich jetzt an diese Checkliste erinnere, dann fallen mir so Kriterien ein, wie zum Beispiel. „Die Lösung ist vor definiert“, also wenn wirklich ganz klar fest steht, was am Ende geliefert werden soll, also wenn es z.b. um einfach um eine Verbesserung einer bestehenden Lösung geht, dann können wir klassisch vorgehen.

Wenn es aus technischer Perspektive viele unterschiedliche Abhängigkeiten gibt, also es ist ein mehrdimensionales technisches Umfeld, dann werden wir eine funktionierende Lösung oftmals auch nur über klassisches Projektmanagement hinkriegen, weil wir müssen im Vorfeld die Lösung durchdrungen haben. Also denk zum Beispiel an System-Anlagenbau oder an komplexe Gebäude, die hergestellt werden müssen oder auch zum Beispiel ein bestehendes großes IT-System soll durch ein anderes abgelöst werden, dann kann ich mit den schönen agilen in Ansätzen, die woanders super funktionieren, mit inkrementell und iterativ, werde ich scheitern, weil ich muss den Vorfällen so etwas haben wie einen Blueprint. Ich muss festgelegt haben, wie sieht das Fundament aus, was kommt als nächstes, was kann ich dann machen? Also da gibt es schon auch oftmals durch die technischen Gegebenheiten der Aufgabenstellung die Notwendigkei, klassisch vorzugehen. Also das sind mal so zwei drei Kriterien, die dazu führen zu meiner Aussage und das auch so ein bisschen untermauern: Klassisches Projektmanagement wird es immer geben.

Götz Müller: Mir gingen jetzt, wo du erzählt hast, gerade noch zwei andere Dinge durch den Kopf, wo ich dann so den vagen Gedanken habe: Hey, vielleicht gibt's da draußen noch irgendwas Drittes. Weil im Grunde, du hast ja auch so ein Beispiel gebracht, Anlagenbau, große Gebäude mir schloss dann sofort hier relativ in der Nähe ein Bahnhof durch den Kopf oder noch ein Stückchen weiter eben ein Flughafen, wo man, glaube ich, schon mit klassischen Projektmanagement-Methoden vorgegangen ist, aber auch da nicht wirklich erfolgreiche ist. Wobei es ja, da könnte man nicht bloß eine Episode daraus machen, wahrscheinlich sind es noch andere Dinge.

Bewegen wir uns jetzt mal ein bisschen mehr von diesen abstrakten Ding Projektmanagement weg, bewegen uns mal ein bisschen mehr Richtung den Mensch Projektmanager. Was würdest du sagen, was unterscheidet den normalen Feld-Wald-Wiesen-Haus-und-Hof-Projektmanager von einem außergewöhnlichen Projektmanager?
Außer zum Schluss in der Zeit und in Kosten und Qualität, so ein magisches Dreieck, ich glaube, das wird sich nicht wirklich verändern, dass er da irgendwo erfolgreich ist.

Oliver Buhr: Ja. Ich habe gerade eine intensive Zusammenarbeit mit einem Geschäftspartner. Das ist der Torsten Körting, da werden wir vielleicht auch gleich im Gespräch noch mal drauf kommen, und der hat ein wunderschönes Zitat, das mir richtig gut gefällt und er sagt immer: „Projektmanager werden nicht geboren, sie werden gemacht.“ Das hast du, glaube ich, eben eingangs auch schon mal gesagt. Das heißt also: Ich glaube, das Talent überbewertet ist, dass Talent eine Grundlage ist und ein Auslöser, da hinzukommen und ein außergewöhnlicher Projektmanager ist jemand, der sich ganz bewusst dahin entwickelt hat und mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet hat. Und diese Kompetenzen sind sehr sehr vielschichtig und wir. konzentrieren uns in der klassischen Denke eher so auf das Operative, auf das Vordergründige, auf Instrumente und Methoden und Prozesse und so weiter, und was ich glaube, was wirklich einen aussergewöhnlichen Projektmanager ausmacht, ist seine Persönlichkeit, also dass er sich als Person entwickelt hat, und ich glaube viele viele gute Projektmanager, die fachlich unheimlich toll sind, die methodisch richtig gut drauf sind, die können ihren Next-Level dann erreichen, wenn sie an sich als Person arbeiten und das sind ganz viele unterschiedliche Facetten die da eine Rolle spielen. Das Naheliegendste ist vielleicht, da kommt unser Gespräch vielleicht auch noch mal drauf, die Art und Weise wie ich meinen Projektteam führe, wie ich mit meinem Projektteam umgehe. Das ist schon so bisschen noch Management und hat gleichzeitig auch schon sehr viel mit meiner Persönlichkeit zu tun.

Götz Müller: Ja, da werden wir auf jeden Fall noch dazu kommen. In in der Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich mich ein bisschen umgeguckt und klar so wie diese zwei, sagen wir mal schon fast klassischen, Begriffe einerseits Manager, einerseits jetzt muss man im Deutschen ein bisschen aufpassen, verwenden wir halt den englischen Begriff Leader also Führungskraft. Ich glaube, dass wird den meisten schon mal begegnet sein, ihr verwendet da aber noch einen dritten Begriff den Host und da kann ich von mir selber nur sagen: Okay, Host, Gastgeber, ja. Aber den Bezug Zug zum Projektmanagement sprang mir jetzt noch nicht gleich ins Gesicht. Da die Bitte an dich: Erkläre das mal ein bisschen, vertiefen wir das mal ein bisschen.

Oliver Buhr: Ich glaube, das ist eine Entwicklung, die man als Projektmanager auch durchlaufen kann, weil ein Manager zu sein ist relativ einfach. Also, ich habe den Plan, den haben die erarbeitet und jetzt gilt es, die Aufgaben und die Arbeitspakete zu delegieren und dann sage ich: „Du machst das und du machst das und von dir hätte ich gerne bis Ende nächster Woche das Konzept.“ Ich gehe dann noch mal rum und gucke: „Na wie weit bist du, hast du Probleme?“ Also das ist so das typische Management und dann gibt es diese schöne englischsprachige Abkürzung, die heißt command and control.

Das ist das was einen Manager auszeichnet und das kriegt jemand relativ einfach hin, da brauchen wir keine jahrzehntelange Berufserfahrung, da kriegt man, das kriegt man hin, wenn man mal Training besucht und das ist, glaube ich, kein Hexenwerk. Und dann gibt es, schon etwas Reiferes, sage ich mal, das nennt sich dann Leader und wenn wir über Leader nachdenken, dann fallen uns immer so seniore Personen ein, die am Ende ihrer Karriere sind, die die Strategie im Blick haben, die nach vorne schauen, die eine Vision haben, und Leute nicht mehr per command and control führen, sondern per Vision führen, auch sehr viel für die Motivation der Menschen tun. Und was mich daran stört ist das so ein Leader-Bild den vorbehalten ist, die 20 oder 30 Jahre Berufserfahrung haben und ich glaube, dass, wenn man das so ein bisschen modifiziert und sagt „Was zeichnet denn so jemanden aus, der es schafft, ein Team zu außergewöhnlichen Leistungen zubringen, dann muss das niemand sein, der jetzt unbedingt wirklich diese langen, langen Jahre auf dem Buckel haben muss, sondern, ich glaube, es ist einfach ein Rollenverständnis und dann kommen wir zu dem Host und ich glaube, dass der Host eine viel griffigere und pragmatischere Rolle ist, die jemand auch ohne große Erfahrung ausüben kann. Und ein Host, wie du es jetzt schon übersetzt hast, ist ein Gastgeber und ein Host sorgt dafür, dass in der Umgebung, die er gestaltet alles angenehm ist. Also er sorgt für eine Rahmenbedingung, die es den Leuten, deren Gastgeber er ist, dass sie sich wohlfühlen, dass sie engagiert, motiviert sind und wenn wir eine Party denken, dann freut sich der Host, wenn tolle Stimmung ist wenn die Menschen anfangen zu tanzen und wenn denen das Essen schmeckt und wenn wirklich so tolle Stimmung ist und das kann man, glaube ich, auch auf Projekte übertragen und sich dann fragen: Was muss ich als Host tun, damit mein Projektteam, jetzt nicht Party macht, wir sind ja im Business-Umfeld außergewöhnliche Leistungen als engagiertes und motiviertes Team leistet und ja, dann fallen einem solche Sachen ein wie: Ich darf die richtigen Leute einladen, ich darf mir überlegen, wie können die Leute miteinander ins Gespräch kommen. Ich darf dafür sorgen, dass ich einen guten Rahmen schaffe, dass das Team all das zu Verfügung hat, was es braucht, um gut arbeiten zu können. Ich darf dafür sorgen, dass mein Team Impulse bekommt, dass sie gemeinsame Erlebnisse haben, die zusammenschweißen und das ist für mich dann der der Begriff eines Hosts, wo man jemandem auch wirklich, ja sehr pragmatische und einfache Dinge ans Herz legen kann und er eine Wirkung erzeugt, die man eigentlich nur Leadern zuspricht. Also das ist so die Abgrenzung.

Götz Müller: Jetzt versuche ich es mal mit in ein mir bekanntes Bild reinzunehmen. Ich habe irgendwann mal so eine Definition gelesen, gehört: Der Manager kümmert sich vor allem um Sachen, bei dir klang es ein bisschen mit an, also um Aufgaben, das heißt, die aber dann doch wieder mit Menschen verknüpft sind, glaube ich, besteht eine gewisse Gefahr den Menschen zu instrumentalisieren. Während eben die Führungskraft, die Führung, sich vor allem mit den Menschen behandelt und um jetzt den Gastgeber reinzubringen, habe ich für mich mitgenommen, er kümmert sich vor allen Dingen eben um die Umgebung, in der der Menschen tätig sind um die definierten Aufgaben, Business-Umfeld jetzt nicht nur Party, hast du ja schon ganz klar gesagt, um die definierten Aufgaben zu erfüllen, ist das so eine griffige Zusammenfassung. Kann man das so sehen?

Oliver Buhr: Ja, auf jeden Fall. Dieser Begriff Host, das ist natürlich keine Erfindung von mir. Ich habe vor einigen Monaten ein wunderschönes Buch gelesen, das ich genau mit diesem Host beschäftigt und auch sehr konkrete Hilfestellung gibt und da dort werden unterschiedliche, ich glaube fünf verschiedene Kriterien festgelegt, was die Rolle eines Host ausmachen und auch mehrere unterschiedliche Aktivitäten vorgeschlagen, was so eine Austern tun kann, das kannst du gerne, ich werde dir gerne noch mal den Titel und den Autor liefern in und das kannst du in die Shownotes dann mit aufnehmen.

Götz Müller: Ja, auf jeden Fall. Okay. Du hattest auch vorhin kurz das Stichwort Team genannt, bei einem Projekt ist es, glaube ich, eine ganz charakteristische Eigenschaft eben, dass es nicht nur wenige Menschen sind, Einzelmenschen sind, dass Menschen zusammenarbeiten, also im Team auch gemeinsam arbeiten. Was würdest du sagen, was ist dieser Unterschied von, ja, hier hattest du im Vorfeld den Begriff Team von Außergewöhnlichen oder ein außergewöhnliches Team verwendet. Was ist da der Unterschied?

Oliver Buhr: Also, man erlebt das oft bei, also man kann die schöne Analogien machen zum Sport. Dass zum Beispiel im Fußball eine Fußballmannschaft ein riesiges Budget hat, um neue Spieler einzukaufen und sie haben dann 40 Millionen Euro, Top-Einzelspieler zusammenzustellen und dann werden diese Spieler gekauft und trotzdem ist diese Mannschaft jedes Jahr am Tabellenende der Fußball-Bundesliga und kann sich gerade eben über den Relegationsplatz retten und diejenigen, die Fußballexperten sind, die wissen wissen, von welchem Verein ich jetzt spreche. Und es gibt andere Vereine, die haben einen Bruchteil dieses Budgets und trotzdem stehen die in der Tabelle viele, viele Plätze über denen und man sieht dann auch schon in der Art und Weise wie die Spielkultur ist und wenn man mal so ein bisschen aufmerksam schaut, wie die Fußballspieler miteinander umgehen, dann ist das irgendwie ganz anders und das ist so diese Analogie ein Team von Außergewöhnlichen, das sind wirklich die Top-Leute die Crème de la Crème, die zusammengesetzt werden in Abgrenzung zu einem außergewöhnlichen Team, wo es nicht unbedingt die Top- Leute sein müssen und es macht dann etwas anderes den Unterschied und da habe ich mal mit, da haben wir mal 5 Faktoren definiert, die das ausmachen und die kann ich dir und den Zuhören mal kurz darstellen.

Das eine ist, der erste Punkt ist, wir haben eine gemeinsame Vision, wir haben ein gemeinsames Zielbild und wir wissen, warum wir etwas machen und das Schönste wäre, wenn es nicht so faktische Projektziele sind: Wir wollen eine Einsparung der Personalkosten um 15 % erreichen, sondern etwas, was uns mit mit Herz und Seele anspricht. Es gibt es einen schönen Begriff, der heißt Zweck der Existenz, das ist vielleicht ein bisschen zu hoch geschrieben, und dahin, da soll es eigentlich hingehen, also es gibt etwas, was wir gemeinsam anstreben.

Der zweite Punkt ist, dass, wenn wir ein Team zusammenstellen, wir darauf achten dürfen, dass das was jeden Einzelnen antreibt, was er als Zweck der Existenz oder als Vision hat, das was ihm wichtig ist, dass das in Übereinstimmung ist mit dem, was das Projekt erreichen möchte. Wenn du jemanden in ein Projekt holst, der sehr auf die Umwelt fokussiert ist und sagt: Wir müssen nachhaltig agieren und wir dürfen dafür sorgen dass wir nicht so viele Schadstoffe erzeugen und wenn derjenige dann in einem Projekt arbeitet, das genau dagegen läuft, dann wird er in dem Projekt nicht glücklich und dann wird es wahrscheinlich auch kein außergewöhnliches Team geben. Also da darf es eine Übereinstimmung geben.

Der der dritte Punkt ist gemeinsame Werte. Wir dürfen in einem Projekt und auch das ist eine Rolle dann für den Host darauf achten, dass die Werte der Teammitglieder zum einen transparent werden. Was ist jedem einzelnen von uns wichtig? Und dass wir uns dann im Nachgang auch darauf verständigen, dass wir gemeinsame Werte haben, dass wir gemeinsam Regeln festlegen. Es gibt in anderen Organisationen so wunderschöne Begriffe, das findet man zum Beispiel bei der US Navy. Da spricht man von einem Code of Honor, einem Ehrenkodex, und ich glaube, wenn man als Host eines Projektes, Zeit darauf verwendet, zu Beginn mit dem Team so einen Code auf Honor zu erarbeiten und dafür zu sorgen, dass der verinnerlicht wird, dann ist das ein guter Beitrag. Das wäre dann der dritte von den fünf Bausteinen.

Der vierte Baustein, den habe ich eben schon mal kurz angerissen, gemeinsame Momente zu schaffen. Also Situationen zu kreieren, wo das Team sich selbst intensiv erlebt. Also nicht jeder an seinem Schreibtisch und über Mail und Berichte miteinander zu kommunizieren sondern als Team zusammen zu sein und nicht nur das, sondern ganz bestimmte gemeinsame Erlebnisse haben und dann spreche ich mich nur von jeden Monat am letzten Donnerstag abends Kegeln zu gehen, sondern auch im Projekt solche Momente zu generieren; zum Beispiel gemeinsam Erfolge zu feiern, gemeinsam Herausforderungen zu lösen, und das schweißt enorm zusammen.

Und der fünfte und letzte Punkt ist eigentlich das Ermöglichende von diesen vier Dingen, die ich vorher hatte, nämlich ein Host, der dafür sorgt, dass genau diese vier Sachen auch passieren. Also das genau auch dieser Ehrenkodex auch erarbeitet wird, dass jemand da ist, der auf diese gemeinsamen Momente schaut, dass wenn es wirklich wichtige Situationen im Projekt gibt, dass dann auch alle dabei sind und das spüren können und wenn man diese fünf Punkte beachtet, das ist keine Garantie, aber ich glaube dann schafft man es, dass man auch möglicherweise Leute die keine Top-Experten sind, über sich hinauswachsen lässt und dann zu diesem viel gerühmten außergewöhnlichen Team kommt.

Götz Müller: Jetzt haben wir ja angefangen mit dem Thema Projektmanagement, Projektmanager, Führung, haben wir ja festgestellt, das ist jetzt nichts, wie man geboren wird, deshalb vermute ich mal fast, dass man als Host nicht geboren wird, auch wenn man vielleicht das ein oder andere Talent dazu mitbringen kann und ich könnten mir auch vorstellen, dass der ein und andere Zuhörer sich jetzt fragt: „Ja, wie werde ich denn zum Host?“

Die fünf Kriterien sind offensichtlich, ja, aber wenn das alles so einfach wäre, ich übertreib' vielleicht jetzt auch ein bisschen, dann würde es im Grunde jeder machen. Wir wissen aber alle, dass es a) nicht so einfach ist und b) macht es schon gar nicht jeder. Was ist denn so euer Ansatz, wie befähige ich einen Menschen zum Host zu werden, mit einem klassischen Projektmanagement, einer klassischen Projektmanagement- Ausbildung wird es ja wahrscheinlich nicht funktionieren.

Oliver Buhr: Ja. Ich habe zu Beginn, da haben wir ja darüber gesprochen, was man braucht um zum außergewöhnlichen Projektmanager zu werden und ich habe da ja so verschiedene Ebenen skizziert, also wirklich so die operative Ebene mit Tools und Instrumenten und dann die Ebene des Managements und ich glaube, es fehlt im Projektmanagement-Umfeld die größte Erweiterung, nämlich dass wir die Themen mit reinnehmen, die sich mit der Persönlichkeit des Projektmanagers beschäftigen, die oftmals eher auf privater Ebene passieren, also dass ich Leute eben für ihre Weiterentwicklung interessieren und sich überlegen: Warum bin ich überhaupt auf der Welt und was ist meine Vision? Und Leute die sagen: „Ach, ich will kontinuierlich lernen, ich möchte auch der Beste werden, der ich sein kann. Ich möchte auch ausgeglichen sein auf vielen unterschiedlichen Ebenen. Ich möchte mental fit sein, ich möchte körperlich fit sein. Ich möchte Leidenschaft dafür entwickeln, was ich tue. Also es gibt manche, viele Projektmanager, oder einige Projektmanager, die das für sich entdeckt haben und das spürt man auch. Nur wenn wir jetzt, wenn du jetzt mal, Götz, im Internet schaust nach Projektmanagement-Veranstaltungen oder Projektmanagement-Trainings und mal guckst, ob da solche Themen drin sind, dann wirst du das nicht finden. Und ich glaube, dass das ein ganz wesentlicher, ein ganz wesentliches Potential ist so in unserem Business-Kontext der Projektmanager-Community, das man heben darf, wenn man wenn man es einmal gut adressiert und wirklich in das Projektmanagement-Umfeld schafft, dass man da sehr viel wecken kann, weil es macht ja auch Spaß, sich mit sich selbst zu beschäftigen und sich solche, ja fast philosophischen Fragen zu stellen: Warum bin ich auf der Welt und wie kann ich den besten Beitrag hier in der Welt liefern? Ja, also das ist das, was meiner Ansicht nach fehlt für uns als Projektmanager und ich glaube, das darf man jetzt nicht dem Zufall überlassen, dass das jeder mal für sich entdeckt über Bücher oder sonst irgendwas in einem anderen Kontext, sondern das darf man in die Projektmanager-Community hineintragen.

Götz Müller: Ja, so ein bisschen zum Abschluss. Da habt ihr euch ja Gedanken gemacht und so völlig ins Blaue hinein machen wir ja auch die Episode nicht. Das heißt, ihr habt euch auch Gedanken gemacht, wie, du hast gerade angedeutet, wie bringe ich das in die Community rein, wie kann ich die Menschen darin unterstützen, von dem klassischen Projektmanagen und vielleicht noch ein bisschen mit Führung vereinbaren, wie komme ich dahin? Erzähl noch ein bisschen was über diese Gedanken.

Oliver Buhr: Also diese Gedanken haben sich jetzt auch dahingehend manifestiert, dass wir es auch umsetzen, was ich jetzt eben sagte, dieses Thema an der Persönlichkeit des Projektmanagers also im Business-Kontext, ich will nicht sagen zu arbeiten, aber da Impulse zu setzen und zu zeigen, was man, was da möglich ist und was man tun kann. Das haben Torsten Körting und ich uns vorgenommen, das mal in einer Veranstaltung, in einem Event zu zeigen und diesen Event nennen wir die PM Powerdays.

Und das Event, da arbeiten wir schon seit einigen Monaten drauf hin, das kommt jetzt immer näher, das steht jetzt am 2. und 3. März an und das werden wir in Darmstadt veranstalten und unsere Zielsetzung ist es, eine Veranstaltung für Projektmanager zu machen, die zum einen Themen adressiert, die es im Projektmanagement-Umfeld in solchen Veranstaltung bisher ja nicht gab, also das Thema Host, was wir angesprochen haben, was ich eben sagte, mit lebenslangen kontinuierlichem Lernen, Ausgeglichenheit oder Betrachtung von allen unterschiedlichen Ebenen, Lebensbereichen, in meinem Leben: Mental, physisch, das zu berücksichtigen und als Stärke auch in meine Projekte hineinzubringen und auch diese Frage: „Was will ich denn überhaupt erreichen? Was will ich in meinem Leben, in meinem Berufsleben überhaupt erreichen? Das sind Themen, die wir in den PM Powerdays adressieren und was auch anders ist, bei den PM Powerdays ist, die Art und Weise, wie wir es machen. Und da, das weiß ich natürlich auch schon als Trainer, was gut wirkt, was eine Wirkung bei Teilnehmern erzeugt und wir beide als NLP ausgebildete Practitioner und, die das kennen wissen auch je mehr Sinne wir ansprechen, umso besser können wir auch positive Wirkung erzeugen und deshalb werden wir auch diesen ihren PM Powerdays mit allen Sinnen arbeiten, also wir achten darauf dass wir das richtige Licht haben. Wir achten darauf, dass wir den richtigen Ton, also Musik, haben. Wir achten darauf, dass wir die richtigen Bilder haben; wir geben uns wirklich, wir haben ein Regie- Drehbuch, welche Videos wir zum Beispiel ergänzend auf der großen Leinwand zeigen und das ist eigentlich das Gravierendste überhaupt: Wir achten darauf, dass die Teilnehmer bei den PM Powerdays wirklich etwas für sich, mit ihrem eigenen Geist und mit ihrem eigenen Körper erleben, also das ist das Gegenteil einer Veranstaltung wo du auf deinen Stuhl sitzt und dir ein Programm aussuchen kannst von mehreren Streams und 12 unterschiedliche Vorträge dir anhörst. Das ist es absolut nicht, das ist das Gegenteil. Es wird sehr viel in Teams gearbeitet, es wird auch emotional werden, weil wenn ich emotional bewegt bin, das wissen wir beide auch wieder aus NLP, wenn ich ich emotional bewegt bin, dann bin ich offen für Veränderung und das wollen wir erzeugen. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Leute, die bei uns auf diesen PM Powerdays sind, so ein Potenzial sehen und erreichbar sehen, dass sie ein nächstes Level in ihrer Projektmanager-Karriere erleben können.

Götz Müller: Genau. Das war jetzt ein wunderbares Schlusswort auf den Titel unserer Episode. Da bin ich schon sehr gespannt. Für den ein und anderen, der es jetzt hoffentlich die Mehrheit natürlich, es rechtzeitig hören wird vor den PM Powerdays, werde ich in die Notizen noch den Link reinpacken, wo man sich noch ganz kurzfristig, kurzentschlossen anmelden kann.

Oliver, ich danke dir für diese, ja ich würde schon sagen, mal etwas andere Episode, sehr – hatte ich schon gesagt – sehr reflektiv, fast schon philosophisch, aber auch das, glaube ich, ist wichtig, macht ja auch den Unterschied aus, du hast es mehrfach gesagt, wir haben auch drüber gesprochen. Ich danke dir für die Zeit.

Oliver Buhr: Ja, vielen Dank, Götz, dass ich bei dir sein konnte. Du merkst, das ist ein Thema, dass mir sehr wichtig ist und mich bewegt und je mehr ich darüber reden kann, umso mehr freut es mich.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Oliver Buhr zum Thema Next-Level-Projektmanagement. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 098.

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Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder zu lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

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