Kaizen 2 go 160 : Audio-visuelle Trainingsprozesse


 

Inhalt der Episode:

  • Wie sieht ein audio-visueller Trainingsprozess grundsätzlich aus?
  • Wie unterscheidet sich ein audio-visueller Trainingsprozess von Web-based Trainings?
  • Welche Trainingsinhalte werden dabei abgedeckt?
  • Welche Voraussetzungen bestehen für einen audio-visueller Trainingsprozess?
  • Wie entstehen die Trainingsinhalte?
  • Welche Flexibilität besteht bei audio-visueller Trainingsprozessen zw. Schüler & Lehrer?
  • Welche Grenzen bestehen bei der Digitalisierung von Trainings? Welche Trainingsinhalte sind (derzeit noch) nicht geeignet?
  • Welche Entwicklung sind für die Zukunft bei audio-visuellen oder digitalen Trainings vorstellbar?

Notizen zur Episode:


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(Teil)automatisiertes Transkript

Episode Kaizen 2 go 160 – Audio-visuelle Trainingsprozesse

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Andreas Kwiatkowski bei mir ein Podcastgespräch. Er ist Unternehmer und Gründer von SoundReply. Hallo Andreas.

Andreas Kwiatkowski: Ja, hallo. Freut mich. Vielen Dank für die Einladung.

Götz Müller: Ja, mich auch. Wir haben heute ein spannendes Thema, sag aber noch mal zwei, drei Sätze zu dir als Person und vielleicht auch schon die ersten Stichworte zu eurem Unternehmen.

Andreas Kwiatkowski: Gerne. Also ich bin StartUp-Unternehmer aus Köln, ich investiere auch in Startup, habe mein letztes Unternehmens SoundReply Anfang des Jahres 2018, also jetzt ein bisschen mehr als ein Jahr her, gegründet. Wir sind mittlerweile zehn Vollzeitkräfte und arbeiten an dem smarten Assistenten HowFM, also so wie how to, einem digitalen Vorarbeiter beziehungsweise Trainer für standardisierte Arbeitsabläufe in Industrie, in Logistik, in Service und, ja, wir unterstützen Unternehmen damit, in ihren Trainingsprozesse, vor allem im Kontext Onboarding, Performance Support von Mitarbeitern, immer ohne Schreibtisch, das heißt zum Beispiel neue Arbeiter und Zeitarbeiter, die jetzt ohne Vorerfahrung eine Aufgabe übernehmen sollen und können. Wir versuchen dabei auch zu unterstützen, diese Arbeitsabläufe zu standardisieren, die Qualität zu optimieren. Wir sind damit eigentlich aber auch immer in dem Zusammenhang unterwegs, Training- und Support-Kosten in den Griff zu bekommen. Andererseits aber auch auf der Mitarbeiterseite, zum Beispiel Aushilfen oder Auszubildende dann zu befähigen, mit Zuversicht so jede Aufgabe zu übernehmen, genauso wie es sozusagen das Lehrbuch vorsieht und das interaktiv in dem Moment zu erleben, während ich diese Aufgabe durchführe.

Götz Müller: Gut. Das war, glaube ich, schon ein ganz guter Einstieg. Was ich immer ganz gerne mache, wenn es um neue Themen geht und alles was irgendwo auch etwas mit Digitalisierung zu tun hat, steckt ja da mit drin, immer noch mal am Anfang zu beleuchten, okay, wie hat man es denn vorher gemacht, weil ich glaube, dann kommt eben für alle, auch die Zuhörer speziell eben, am besten raus, was wird denn jetzt neu und in der Regel ja auch besser, sonst wird man ja nichts verändern.

Andreas Kwiatkowski: Ja stimmt. Also, guter Punkt. Also wir haben da im Prinzip einen Themenbereich aufgegriffen, der vielleicht jetzt aktuell passiert mit einem ausgedruckten Handbuch einer Prozessbeschreibung, welche Arbeitsschritte muss ich durchführen. Wir sind aber in jedem Unternehmen so auf unterschiedliche Dokumentationsgrade gestoßen. Das heißt, manchmal existiert eine sehr genaue Checkliste, wo jeder einzelne Schritt aufgeführt ist, manchmal gibt es ein Handbuch, das eher ein wenig prosaisch umschreibt, was hier zu tun ist, aber es ist entweder die Arbeitsmappe, die da digitalisiert wird oder das Handbuch, zum Beispiel wie ich in einem Wartungshandbuch einer Maschine gewisse Tätigkeiten finde, die zum Beispiel eine Entstörung ermöglichen.

Götz Müller: Ja. Das ist ja aber dann auf der Ebene, glaube ich, jetzt eben noch keine wirkliche Digitalisierung, so wie wenn ich halt Dokumente einscannen, würde ich jetzt auch nicht von Digitalisierung sprechen. Also sprich, wie unterscheidet sich jetzt euer, ich habe es ja audio-visueller Trainingsprozess genannt, wie unterscheidet er sich eben von den alten Dingen, über die wir jetzt ja schon kurz gesprochen hatten?

Andreas Kwiatkowski: Ja, also es gibt sicherlich so zentrale Vorteile, wo wir sagen „Ok, entweder wir dokumentieren diesen Prozess.“, also das heißt, der Kunde dokumentiert in einem Dokumentationsmanagementsystem, was wir bereitstellen, was aber auch schon smart unterstützt bei der Dokumentation oder man importiert bestehende Dokumentation, die zum Beispiel in so einer Checkliste vorliegt, und wir machen daraus dann so ein interaktives Erlebnis. Das ist also so, wie wenn ich mich zu Hause mit der Alexa unterhalte und in diesem Sinne sprachbasiert, was immer interessant ist in den handwerklichen Tätigkeiten, weil ich gerade Handschuhe an hab oder meine beiden Hände fürs Arbeiten brauche. Es ist auch personalisiert, das heißt, ich werde auch mit dem Namen angesprochen: „Andreas, kannst du das nicht übernehmen. Schön, dass Du wieder da bist, heute machen wir …“ Und außerdem ist das halt jetzt verglichen zum Beispiel auch mit so anderen medialen Ansätzen, wie How-to-Videos, wie man das vielleicht von YouTube kennt, ist das aber so, dass wir die Tonspur dynamisch erzeugen, damit auch personalisieren können, aber auch leichter bearbeiten, leichter übersetzen können und da nicht immer ein, sage ich mal, ein Drehteam vor Ort bestellt werden müsste, um diesen Prozess zu dokumentieren digital, sondern das kann man vom Mobiltelefon oder vom Rechner aus einfach anpassen, sofern da der Arbeitsschritt vielleicht noch optimiert werden muss und wir bekommen auch Feedback von den Arbeitern, die das ausführen und sagen „Hey, an dieser Stelle, das stimmt doch irgendwie nicht oder hier müsste man die Dokumentation mal anpassen, ich habe da auch einen Verbesserungsvorschlag.“

Götz Müller: Also ich höre so ein bisschen Interaktivität und die entsprechende Dynamik dann raus? Richtig?

Andreas Kwiatkowski: Genau, ja.

Götz Müller: Okay. Und was mich persönlich dann eben, wenn ich es mal so vor meinem geistigen Auge vorbeiziehen lasse, natürlich gucke ich mir auch manchmal How-to-Videos an, aber was mich dann manchmal nervt, ist halt, so nach dem Motto, ja, ich habe es verstanden und jetzt muss ich aber die nächsten drei Minuten trotzdem anhören oder anschauen.

Andreas Kwiatkowski: Nee. Gut, das ist natürlich so ein bisschen auch die Frage, was für einen Erfahrungsgrad du jetzt hast, wenn du das das erste Mal machst, interessierst du dich sicherlich dafür, aber klar, wenn du schon etwas souveräner bist, die Aufgabe schon mal übernommen hast, kannst du zum Beispiel sagen „Hey, diesen Schritt überspringen wir.“ oder du sagst in der Übersicht, das heißt du konsumierst unseren Assistenten entweder zum Beispiel übers Handy oder über eine Datenbrille. Am Handy könntest du dann jetzt zum Beispiel sagen, ich scrolle auf der Checkliste mal weiter und steige an einem Punkt ein, wo ich eigentlich nicht mehr weiterweiß, weiter hinten im Prozess zum Beispiel.

Götz Müller: Ok. Jetzt könnte ich mir vorstellen, bei mir zumindest und vielleicht auch beim ein oder anderen, entsteht jetzt das Fragezeichen, okay, was kann ich denn so auf der inhaltlichen Ebene, welche Tätigkeiten kann ich denn jetzt da trainieren?

Andreas Kwiatkowski: Wir konzentrieren uns ein Stück weit auf dieses Gewusst-wie-Wissen, also zum Beispiel nicht „Wann wurde das Fahrrad erfunden?“, sondern eher „Wie fahre ich ein Fahrrad?“. Also es geht immer um erstens, zweitens, drittens und das standardisiert, es sind hauptsächlich manuelle oder handwerkliche Tätigkeiten und Fertigkeiten, die da trainiert werden und das findet man halt eben, wie ich eben gesagt habe, dann eben in einer Arbeitsmappe, in Wartungshandbüchern, vielleicht auch in Inspection-Checklisten und im Endeffekt finden wir zum Beispiel Anwendung jetzt in der Automobilproduktion, wenn es darum geht, wie montiere ich jetzt zum Beispiel das Teil oder mir fehlt Just-in-sequence hier ein Bauteil, wie kann ich das irgendwie schnell bekommen, welche Systeme muss ich da bespielen, alles so auch komplexe Tätigkeiten, die zwar standardisiert sind, aber dennoch viele einzelne Arbeitsschritte, vielleicht fünfzig hintereinander umfassen, die ich mir so an als Neuanfänger gar nicht so einfach merken kann und entweder ich trainiere diese in einer simulierten Umgebung mit dem Assistenten, zum Beispiel in einer Modellfabrik oder ich sage „Hey, das nehme ich mit an den Arbeitsplatz und lass mich dann so Training-on-the-Job oder Performance-Support-orientiert am Job tatsächlich in der produktiven Umgebung begleiten. Andere Beispiele könnten zum Beispiel sein aus der Systemgastronomie, standardisierte Abläufe zum Beispiel in der Küche, das kann auch sogar das Zubereiten eines Gerichtes sein. Das sind so Themen, die wir aktuell über unser System auch laufen lassen. Es kann aber auch irgendwie eine Inspektion eines zum Beispiel neu in Betrieb zunehmenden Fahrzeuges sein, eines zum Beispiel Busses, der im Straßenverkehr eingesetzt werden soll, kommt gerade sozusagen aus der Fabrik, ok, wie nehmen wir den Betrieb, was gibt's zu beachten, was gibt es vor allem auch an Sicherheitsthemen noch zu überprüfen. Solche Beispiele sind typischerweise die, wo unser System dann am stärksten ist. Immer wenn der Mitarbeiter mobil unterwegs ist oder seine Hände woanders hat, macht dann auch die Sprachinteraktion noch mehr Sinn, aber es ist nicht so, dass man das benutzen müsste, sondern ich kann mir auch eben auf dem Handy kurz einen Überblick verschaffen und mir einfach mehrmals anschauen und wenn ich sage „Hey, das würde ich jetzt gerne machen.“, lege ich das Handy zum Beispiel neben mich und lasse mich dann auf der Sprachebene entweder auf Deutsch oder auf einer anderen Sprache durchführen.

Götz Müller: Okay. Jetzt könnte ich mir vorstellen, sowas entsteht ja nicht auf der grünen Wiese, das heißt irgendjemand muss sich mal Gedanken gemacht haben, was sind die Inhalte, und dann kommt man wahrscheinlich relativ schnell, oder ich jetzt zumindest, auf die Frage „Okay, was habe ich also für grundsätzliche Voraussetzungen, damit sowas funktioniert?“

Andreas Kwiatkowski: Ja, also ich sag mal, wenn wir ins letzte Jahr schauen, wir haben so fünfzig verschiedene Unternehmen besucht, das heißt, die Betriebe dann von innen gesehen, auch mit Arbeitern gesprochen. Dann sind es viele Themen, die vielleicht auch noch gar nicht dokumentiert worden sind, auch nicht auf diesem Detailgrad, was man Schritt für Schritt macht, sondern das sind so Themen, wo der Vorarbeiter oder die erfahrene Kollegin vielleicht sagt „Das erkläre ich jetzt schon zum fünften Mal.“, vielleicht auch, weil gewisse Personalfluktuation, zum Beispiel in der Logistik, also tagtäglich ist. Das heißt, da setzen wir an und geben den Mitarbeitern, die normalerweise ihre Kolleginnen und Kollegen trainieren, jetzt ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie sozusagen, diese Instruktionen einmal verewigen können und dann so diesen digitalen Coach ermöglichen so als Hilfe, nicht unbedingt als Ersatz für den Vorarbeiter, aber so eine Ergänzung, wenn ich jetzt zum Beispiel gerade am anderen Ende der Halle bin, aber trotzdem Hilfe brauche.

Götz Müller: Also es sind schon die Menschen, die in der Vergangenheit eben im eins zu eins oder eins zu mehreren irgendetwas trainiert haben, die praktisch die Inhalte erstellen.

Andreas Kwiatkowski: Das auch, ja. Es gibt je nach Größe des Unternehmens auch Dokumentationsabteilung, die sich um solchen Themen kümmern, aber es ist passiert jetzt also auch mehr und mehr sozusagen on the shop floor, dieses tribal knowledge, sagt man auch, dass etwas von Kollegin zu Kollege gereicht wird, das versuchen wir auch ein Stück weit abzufangen, indem wir es möglichst einfach machen, ein System machen, was auch mobil mich empfängt und mir da erlaubt, diese Schritte zu dokumentieren und damit auch weiterzureichen, nicht nur zu Kolleginnen und Kollegen in der direkten Umgebung, sondern vielleicht auch zur Produktion in einem ganz anderen Land, wo vielleicht noch nicht so viel nach Referenzprozess läuft, wie jetzt dann zum Beispiel jetzt hier in einer Fabrik vielleicht bei uns in Deutschland irgendwie schon recht eingespielt funktioniert. Das heißt, das sind alles diese Möglichkeiten, die wir versuchen als Trainingsprozesse-Support anzubieten.

Götz Müller: Ja, bei mir bei mir entsteht gerade der Gedanke zum Beispiel, wenn ich mehrere Schichten habe, dann begegnen sich die Menschen vielleicht gar nicht, dann gibt's da jemanden in einer Schicht, der kann sowas im Schlaf, also der hat irgendwelche Tricks über die Zeit hinweg vielleicht entwickelt und die anderen haben gar keine Chance, ihn zu sehen und er umgekehrt keine Chance, vielleicht bei jemand anders zu sehen, dass man das ein bisschen geschickter machen könnt, wie man das auf Schwäbisch sagt und ihm das mitzuteilen und vor dem Hintergrund entsteht noch ein anderes Bild gerade vor meinem geistigen Auge, ich unterstütz' gerade einen Handwerksbetrieb, Maler/Tapezierer, da ist ein relativ alter, Ende 50, Mitarbeiter, also sprich, der wird seit 40 Jahren tapezieren, dann müsste man jetzt annehmen, der kann das, der kriegt es aber aus, ja, vorher nicht erfindlichen Gründen, mittlerweile weiß ich es, er kriegt es nicht hin, in einer Ecke eine Raufasertapete so abzureißen, das nicht an drei, vier Stellen anschließend mit dem Messer nachschneiden muss. Und andere, inklusive einem Auszubildenden im zweiten Lehrjahr, der kriegt es hin, und da habe ich genau die Situation, jeder arbeitet in seinem Raum, jeder hat halt einen Raum, an dem er tapeziert typischerweise und der sieht gar nicht, dass die anderen das hinkriegen und hat sich vielleicht über Jahrzehnte angewöhnt „Ja, das muss man halt nachschneiden“.

Andreas Kwiatkowski: Das absolut. Im ersten Moment dachte ich auch gerade an so dieses Thema Nachfolgen, gerade auch in kleineren Betrieben. Wenn ich jetzt vielleicht eben einen erfahrenen Handwerker dann auch entlasse in die Pensionierung, was passiert mit dem Wissen? Da ist im Grunde genommen immer Interesse da gewesen, das zu dokumentieren, deswegen, glaube ich ist es wichtig, diese Dokumentation so leicht wie möglich zu machen und wir haben auch gesehen dass, wenn am Ende die Ausgabe dieses Wissens eben jetzt nicht ein einem Word-Dokument ist, was dann ausgedruckt wird, sondern eben so ein Erlebnis ist, was dann digital auf einer App ausgegeben wird, oder eben vielleicht sogar in so ein Spracherlebnis verwandelt, was ich dann auch mit auf die Baustelle nehmen kann vielleicht und mit dem Knopf im Ohr mir das erklären lassen kann, dann ist doch noch mal die Motivation da „Ach, das ist ja interessant, dass das jetzt möglich ist, am Anfang dann tatsächlich auch einzupflegen und auch nachzupflegen.“, was wir aber auch versuchen wirklich einfach zu machen, in dem Sinne, dass wir immer gesehen haben, dass selbst wenn eine detaillierte Dokumentation mal gemacht wurde, historisch vielleicht auch in Word, dann haben wir immer das Problem gesehen auch, dass das nicht natürlich nicht nachgepflegt wurde und so versuchen wir bei jedem Arbeitsschritt, wo dann auch Feedback vielleicht im Nachbarraum, wie du es beschrieben hast, oder auch in einer ganz anderen Baustelle aufkommt, nach dem Motto „Das ist irgendwie zwar der Referenzschritt, aber irgendwie passt das jetzt hier nicht so, irgendwie gibt's doch auch diesen Sonderfall.“, versuchen wir dieses Feedback, was dann auf der Tonspur dann zurückläuft an den Assistenten, direkt wieder an den Prozesseigentümer, in dem Fall vielleicht der erfahrene Kollege, der das aufgesetzt hat, zurückfließt zur Prüfung: Können wir hier die Dokumentation an dieser Stelle auch ein bisschen überarbeiten?

Götz Müller: Und mir schoss gerade noch der Gedanke durch den Kopf, harte Männer lesen ja keine Betriebsanleitung.

Andreas Kwiatkowski: Oh ja oder die Betriebsanleitung ist vielleicht so schwer wie ein Quelle-Katalog und wird nicht mitgeführt.

Götz Müller: Ja. Genau. Jetzt möchte ich den Punkt Trainingsinhalte und wie sie entstehen noch ein bisschen vertiefen, weil ich könnte mir vorstellen, beim ein und anderen Zuhörer entsteht da jetzt das Fragezeichen, ok, wie funktioniert das ganz praktisch? Da sitzt ja keiner da und tippt jetzt irgendwas runter oder sitzt wahrscheinlich keiner da, der irgendwie Fotos macht.

Andreas Kwiatkowski: Ja also Stand heute funktioniert das tatsächlich so, dass wir jetzt zum Beispiel bei dem erfahrenen Handwerker, wenn er jetzt vielleicht derjenige wäre, der wüsste, wie man diese Tapete am besten entfernt, würde er vielleicht diesen Trainingsprozesse, diesen Supportprozess eines idealen Tapeteneentfernens einmal dokumentieren. Das würde dann so funktionieren, er könnte sich zum Beispiel am Schreibtisch in unserer Dokumentationssystem, eine Web-Software einwählen und könnte sagen: Ok, jetzt setze ich diesen Dokumentationsprozess mal auf. Ich definiere also vielleicht einen Titel, wie das heißt, so dass ich später im digitalen Assistenten auch eine Frage stellen kann, wie zum Beispiel „Wie entferne ich die Tapete am idealsten?“ und dann setze ich den ersten Schritt ein, den zweiten Schritt ein. Ich schreibe einen kurzen Text, so wie ich so normalerweise jemandem das vielleicht auch erklären würde. Wir versuchen mit so smarten Hilfsmitteln dabei zu unterstützen, dir Feedback zu geben, hier solltest du dich vielleicht etwas deutlicher ausdrücken, hier etwas kürzer. Weil am Ende wollen wir, dass der maximale Trainingserfolg oder was maximale Verständnis dann am Empfänger entsteht. Wenn du diese fünf oder zehn Schritte eingepflegt hast, dann empfehlen wir, also das ist abhängig vom Ausgabemedium, aber im Idealfall auch immer begleitende Bilder zu hinterlegen und die kann ich dann zum Beispiel mit meinem Handy machen, kann die Fotos einhängen, entweder mobil oder vielleicht dann wieder am Rechner, und habe am Ende sozusagen so wie eine Checkliste, eine Prozessbeschreibung, die aus vielleicht zehn, fünfzehn Einzelschritten besteht, den entsprechenden Dokumentationen in Foto- oder auch in Videoclip-Form und diese Checkliste kann ich dann meine Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stellen über einen Link, der öffnet dann wiederum die App genau an dieser Stelle und das heißt, die habe ich vielleicht über WhatsApp geteilt, was ja auch durchaus jetzt im Handwerk nicht unüblich ist und dann kann ich darauf zurückgreifen als digitaler Assistent und mir das erklären lassen wie dieser Idealprozess eigentlich aussieht, wenn ich ihn noch nicht gemacht habe.

Götz Müller: Okay. Jetzt möchte ich noch den Punkt, den haben wir vorhin schon kurz angerissen, diesen Aspekt Flexibilität, also das, was ich jetzt halt klassisch in einem Lehrer-Schüler-Szenario habe, wo halt der Schüler den Lehrer fragen kann „Hey, habe ich nicht verstanden, sag es mir noch mal.“ und dann vielleicht der Lehrer erklärt, ok, weil das ist ja das einzige, was er ändern kann, so wie er es erklärt hat, hat es nicht funktioniert, ist es nicht angekommen. Welche Form der Flexibilität habe ich da, wenn ich das eben über Maschinenunterstützung, möchte ich das mal nennen, mache?

Andreas Kwiatkowski: Ja, das würde ich sagen, steckt insgesamt noch in den Kinderschuhen, das heißt, sich da anders Skill-Level, an den Erfahrungsschatz des Gegenübers auch tatsächlich ideal einzustellen, da haben wir erste Versuche unternommen. Das Einzige, was wir sozusagen kurzfristig lösen ist, dass wir diese Instruktion dann versuchen anders zu formulieren oder ich könnte zum Beispiel fragen, wenn ich jetzt irgendwie das Tapeziermesser „Was ist das?“, wenn ich das nicht verstehe, kann unser System sozusagen auch eine Antwort da ausgeben und das versuchen zu erklären, also eine kurze und knackige Instruktion für die Experten sozusagen vergrößern und die Fachwörter ersetzen dann durch die Umschreibung beziehungsweise auf die direkte Nachfrage „Was ist das?“, dann eine Antwort geben. Das ist sozusagen unser erster Schritt in diese Richtung, aber da wird in Zukunft sicherlich noch mehr folgen müssen, um sich da ideal einzustellen, auch je mehr wir den gegenüber vielleicht auch kennenlernen, weil er vielleicht schon drei oder fünf oder zehn Prozesse mit uns gemeinsam gemacht hat und unserem System, können wir sagen „Ok, hat schon eine gewisse Erfahrung in den Bereichen gesammelt“, also können wir vielleicht auch ein fachspezifischeres und präziseres und schnelleres Vokabular verwenden. Das heißt, das wird sicherlich kommen, aber ist jetzt aktuell noch nicht Teil der Lösung.

Götz Müller: Okay. Da habe ich jetzt rausgehört, so ein paar Grenzen existieren noch, wenn wir über Digitalisierung von Trainings reden.

Andreas Kwiatkowski: Absolut, ja.

Götz Müller: Und das möchte ich nur bisschen vertiefen, einerseits von dem, was wir gerade besprochen haben, also sprich dieser interaktive Teil, der immer unabhängig von den Inhalten ist und dann aber eben der Aspekt, okay, aus deiner Sicht, welche Trainingsinhalte eignen sich heute noch nicht?

Andreas Kwiatkowski: Ja vielleicht ein Aspekt, der mir noch einfällt, also was natürlich auch immer ein Thema ist, auch was wiederum für das Digitale spricht, ist so ein bisschen vielleicht auch der Gesichtsverlust, wenn ich sozusagen meinen Chef viermal fragen muss, wie das genau funktioniert, sowas ist natürlich immer irgendwie bei dem neutralen Digitalprodukt einfacher, da kann ich mich im Zweifel auch zwanzigmal durchführen lassen, das mache ich vielleicht dann in der Praxis nicht, da haben wir öfter beobachtet, wie dann vielleicht Umwege gegangen werden oder versucht dann irgendwie etwas zu machen, was vielleicht nicht so dem Idealprozess entspricht. Das heißt, das wäre noch so ein Vorteil, wo ich sage, steht im Nachteil gegenüber, dass es sicherlich noch nicht jetzt Stand heute, dem Erlebnis entspricht, wie wenn man den besten menschlichen Lehrer hat, aber das ist eine Sache, die wir in den nächsten zehn Jahren, auf die wir immer mehr hin arbeiten wollen. Jetzt hattest du aber ja schon eine Anschlussfrage, vielleicht steigen wir da einfach noch mal an. Magst du noch mal kurz wiederholen.

Götz Müller: Ja. Auf der inhaltlichen Ebene, wo sagst du, das funktioniert heute noch nicht?

Andreas Kwiatkowski: Okay, also grundsätzlich sage ich mal unser System eignet sich viel, viel mehr für Prozeduren, die ein Stück weit linear sind, die können auch gewisse Verzweigungen haben, wie wenn dieser Fall dann eintritt bei Schritt 13, dann eher links rum oder eher rechts rum, aber Prozeduren, die durchaus komplex sind, eher linear, die häufiger trainiert werden, das lohnt sich dann sicherlich einzupflegen oder wo häufiger Fragen entstehen. Das sind so Themen, die wir momentan im Idealfall abdecken. Ich denke, was jetzt unser System aktuell nicht her gibt es zum Beispiel sowas, was er so die klassischen E-Learning-Systeme abdecken, zum Beispiel „Was sind unsere Unternehmenswerte?“ oder „Was sollte man tun, was sollte man nicht tun auf der Arbeit?“ Das sind so Themen, die sind in der Regel schon sehr gut gelöst mit anderen Lösungen. Wir konzentrieren uns tatsächlich auf diese Prozesse, auf diese Arbeitsschritte im Detail. Das heißt, das wäre so die Antwort sicherlich darauf.

Götz Müller: Okay. Wenn wir jetzt so zum Abschluss mal ein bisschen, ansatzweise haben wir es schon gemacht, mal in die Zukunft gucken. Welche Entwicklung kannst du dir vorstellen, kann man sich generell vorstellen, wenn man über digital unterstützte Trainings und Trainingsprozesse redet?

Andreas Kwiatkowski: Ja, also ich glaube viele sprechen ja auch jetzt von den Möglichkeiten von Augmented Reality, Virtual Reality, das sind Themen, die wir in der Praxis noch nicht, so gesehen haben, wie sich vielleicht das ein Geschäftsbericht oder ein Presseartikel vorstellt, das heißt so außerhalb eines Innovationslabors in der Praxis seltener gesehen, ist sicherlich eine Frage der Zeit, aber hat auch bestimmte Gründe also manche Datenbrillen oder vor allem so was wie Hololens, die dann eher so ein bisschen vom Tragekomfort sich anfühlt wie ein Helm, sind vielleicht zu sperrig, die Batterielaufzeit ist kurz, aber das sind Themen, die werden sich, denke ich, in den nächsten Jahren erledigen und dann wird auch so eine Datenbrille, wie sie heute schon oft in der Logistik eingesetzt wird, mehr oder weniger der Standard sein und vielleicht auch die eher simplen Headset irgendwann ablösen, in wiederum fünf bis zehn Jahren, wer weiß, vielleicht gibt es dann irgendwie die Möglichkeit, dass ich sozusagen ein Hologramm des Experten starte und kann mich dann, so wie damals, wir kennen es aus Star Wars, kann mich dann so richtig plastisch auch an jemandem orientieren, der es mir vormacht, weil wir Menschen orientieren uns ja nicht nur an dem, was der Lehrer sagt, sondern auch, wie er es tut, also vor allem, wenn es um praktische, handwerkliche Tätigkeiten geht. Das heißt, wir rechnen damit, dass die Plattformen immer mehr Möglichkeiten erhalten, dass die auch immer mehr angenommen werden über Zeit und wir positionieren uns jetzt da so, dass wir sagen, wir lösen einerseits das Problem, dass die Dokumentation leicht dokumentierbar sein muss, das ja auch leicht pflegbar sein muss und auf der anderen Seite das Thema „Wie interagiere ich am besten mit einer Dokumentation?“, das Blättern in einem fünfhundert Seiten Handbuch ist nicht so inspirierend wie einfach die kurze Frage meinem digitalen Assistenten stellen „Hey, was muss ich hier machen?“ und für alle die Plattform, die da kommen, sage ich mal, AR, VR, und dann vielleicht in zehn Jahren die Hologramme, wird sicherlich immer mehr die natürliche Interaktion das Mittel der Wahl sein, statt jetzt viele Buttons zu lernen in einer App, die ich irgendwie jetzt gar nicht kenne, frage ich vielleicht lieber so in dem Sinne „Hey Alexa, wie entferne ich hier die Tapete?“ und wir liefern dann sozusagen auf dieser Sprachebene dann auch die Antwort dazu, begleitet mit den Medien, die das noch im Verständnis untermauern, heißt Fotos, Videos oder eben dann irgendwann vielleicht auch ein Hologramm, was dir was vormacht.

Götz Müller: Ja, ich hatte jetzt bei deinen Erzählungen so kurz mal den Jules-Verne-Film vor meinem geistigen Auge und im Grunde ist ja die Idee, was könnte ich machen, ja das allerwichtigste, selbst wenn es heute doch aus technischen Gründen noch nicht funktioniert, wenn ich die Idee gar nicht habe, dann bringt man die ganze Technik nichts.

Andreas Kwiatkowski: Ja, also das auf jeden Fall. Es gibt wirklich viele Systeme, die jetzt zum Beispiel im Produktionsumfeld jetzt schon auch versuchen auf Datenbasis zu analysieren, was könnte jetzt eine Störung sein, das heißt, wir setzen eigentlich an, wenn das Erkenntnis schon erfolgt ist, das heißt, was zu tun ist, erfahre ich entweder zum Beispiel über eine smarte Software, die mir das empfiehlt oder ich bekomme sozusagen einen Auftrag „Kümmer dich mal da darum.“ Jetzt zum Beispiel in der Automobilproduktion, das Handy klingelt, hier fehlt ein Teil am Band, und du musst nicht darum kümmern, das jetzt zu besorgen, hast aber vielleicht gestern erst angefangen und kein Kollege ist in Reichweite oder kein Kollege spricht die gleiche Sprache wie du, das kann auch vorkommen. Wie löst du das Problem? Das heißt, wir setzen tatsächlich da an, wo die Erkenntnis, was zu tun ist, schon relativ klar ist.

Götz Müller: Okay, gut. Andreas, ich danke dir für deine Zeit, ich finde es immer wieder spannend auch dann zum Schluss oft so noch einen weiteren Blick in die Zukunft, selbst wenn Dinge heut vielleicht noch nicht möglich sind, aber wie gesagt, die Idee ist das Entscheidende. Deshalb danke noch mal für deine Zeit.

Andreas Kwiatkowski: Ja absolut. Vielen Dank auch dir, hat mich sehr gefreut. Dann würde ich sagen bis bald und, ja, einen schönen Tag noch.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Andreas Kwiatkowski zum Thema Audio-visuelle Trainingsprozesse. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 160.

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Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder zu lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

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