Kaizen 2 go 165 : Stressfreie Kommunikationsprozesse


 

Inhalt der Episode:

  • Process Communication Model – Ein Modell bzgl. menschlichem Kommunikationsverhalten und verbundenem Stressverhalten
  • Sechs verschiedene Kommunikationstypen und deren Verhalten
  • Umgang mit den verschiedenen Kommunikationstypen
  • Verbesserung des persönlichen Kommunikationsverhaltens

Notizen zur Episode:


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(Teil)automatisiertes Transkript

Episode Kaizen 2 go 165 – Stressfreie Kommunikationsprozesse

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Barbara Wanning bei mir im Podcast Gespräch. Sie ist Kommunikationsexpertin. Hallo Barbara.

Barbara Wanning: Hallo Götz, grüß Dich. Vielen Dank, dass ich heute dabei sein darf. Ich freue mich.

Götz Müller: Ja, ich mich auch. So. Im Thema Kommunikation ist ja im Grunde jeder Experte, weil jeder macht’s täglich. Seit Watzlawick wissen wir auch, dass man es gar nicht machen kann. Jetzt hast du dir aber das Thema stressfrei auf die Fahne geschrieben und jetzt so zum Einstieg die Frage, und dann glaube ich hören wir auch mal raus, wie du zu dem Thema überhaupt gekommen bist. Was bedeutet das für dich?

Barbara Wanning: Na ja, weißt du, wenn ich so zurückdenke, was ich in meinem Job alles schon für Besprechungen erlebt habe … ohne Ende Diskussionen, die Emotionen kochen hoch, es wird immer unproduktiver, immer unproduktiver. Zum Teil hast du wirklich gesehen, wie bei den Leuten das Stresslevel gestiegen ist, also die haben zum Teil richtig rote Köpfe gekriegt und sind rot angelaufen, haben sich zum Teil dann angebrüllt in einer offiziellen Sitzung, wo ich immer gedacht habe „Hallo, was passiert da gerade?“ oder auch wenn du gemerkt hast, dass Projekte nicht wirklich gut funktioniert haben, weil es ständig Reibungsverluste gab und das Ganze immer stressiger geworden ist, weil dann Termine nicht eingehalten werden konnten oder, ja, auf einer ganz privaten Ebene, wo ich gemerkt habe mit Menschen, die mir wichtig waren, ich bin völlig entspannt in ein Gespräch reingegangen und dann hat es manchmal nur ein, zwei Minuten gedauert, bis du gemerkt „Äh, nee, jetzt fühle ich mich aber nicht mehr, jetzt nimmt es aber eine ganz komische Wendung.“ und wo ich gemerkt habe, dass bei mir einfach Stress entstanden ist und ich habe mir gedacht „Wo kommt es her?“, also was ist das, was steckt da dahinter, warum passiert das so? Also das war es eine, ich bin ein furchtbar neugieriger Mensch. Das war so diese eine Frage: Warum passiert das? Also warum kommen solche Stressreaktionen in Gesprächen zustande? Und dann natürlich mein Antrieb, ich würde es gerne besser machen, also es muss doch eine Möglichkeit geben, wenn man das schon wahrnimmt, das auch zu ändern, und entspannt da, also stressfreier zu gestalten? Weil ich möchte eigentlich gerne ein entspanntes Leben führen. Das war so mein meine Motivation, da zu verarschen und zu recherchieren.

Götz Müller: Und ich vermute mal, jetzt verrate ich ja kein Geheimnis, wir würden uns nicht unterhalten, wenn du da nichts gefunden hast.

Barbara Wanning: Ja. Ich habe da etwas gefunden, genau. Also, das ist schon über 10 Jahre her, glaube ich, und da bin ich auf ein Modell gestoßen, und das war echt wie so eine Offenbarung für mich, da ist es mir wie auf einmal wie Schuppen von den Augen gefallen, wo ich gedacht habe „Ja klar, es ist so logisch, es kann eigentlich gar nicht anders passieren.“ und, ja, es hat mir eben auch Lösungsansätze aufgezeigt, das war schon cool.

Götz Müller: Also ich persönlich bin jetzt ein riesengroßer Modellfreak und natürlich steige ich auf das Stichwort dann ein, also erzähl etwas über das Modell.

Barbara Wanning: Genau. Also ich mag Modelle auch total gern, weil ich finde, dass die einfach so über Bilder halt die Komplexität von der Wirklichkeit so schön anschaulich machen und dieses Modell, was ich da entdeckt habe, das nennt sich Process Communication Model. Das ist ein Persönlichkeits- und Kommunikationsmodell. Und was mich eben beeindruckt hatte war … oder so schon die Kernaussage von PCM ist eigentlich, dass die Art und Weise, wie jemand seine Botschaft übermittelt, im Prinzip ausschlaggebend ist dafür, ob sie vom Empfänger überhaupt gehört oder verstanden werden kann, also dass das Wie viel, viel wichtiger ist, also dass der Prozess, deswegen auch process communication, dass der Prozess entscheidender ist oder entscheidend dafür ist, dass das Was, nämlich dein Inhalt, überhaupt gehört wird. Und der Taibi Kahler, das ist der, der das Modell erfunden hat, der hat auch mal so einen Leitspruch gesagt, er hat einfach gesagt „Wenn du möchtest, dass der andere dir zuhört, dann sprich seine Sprache.“

Götz Müller: Okay. Der erste Gedanke, den man jetzt wahrscheinlich hat, wenn man Sprache hört, Schwäbisch und bei dir ein leichter bayerische Anklang, das wird es wahrscheinlich nicht sein. Deutsch ist es mit Sicherheit auch nicht. Das heißt, dieser Sprachbegriff hat wahrscheinlich einen anderen Hintergrund.

Barbara Wanning: Richtig. Wobei ich jetzt ganz enttäuscht bin, dass du mir das Schwäbisches auch nicht mehr zuschreibst, weil das ist eigentlich meine Muttersprache. Nein, aber dafür lebe ich so viele Jahre inzwischen in Bayern, das hört man, glaube ich, wirklich nicht mehr raus. Aber die Sprache, um die es in diesem Modell geht, hat wirklich eine ganz andere Bedeutung, also ich nenne es einfach auch nur Muttersprache. Wie fange ich denn jetzt an. Pass auf. PCM geht grundsätzlich mal davon aus, dass es sechs verschiedene, ich sag jetzt mal, Basispersönlichkeitstypen gibt. Und jeder dieser sechs Typen hat eine ganz eigene Art, die Welt wahrzunehmen, und auch eine bestimmte Lieblingsart, wie er kommuniziert, also das ist wirklich komplett unterschiedlich und das ist das, was ich dann mit den verschiedenen Sprachen in dem Zusammenhang meine. Da gibt's zum Beispiel einen Typen, der ist sehr im Denken verhaftet, also der nimmt die Welt übers Denken wahr. Da spielen Zahlen, Daten, Fakten eine große Rolle, da werden sehr viele Fragen gestellt – Wer? Was? Wann? Wie? Warum? – und der hat in dem Modell dann auch den Namen Logiker bekommen, weil es da ganz, ganz viel auch um logische Zusammenhänge und Schlussfolgerungen geht und solche Dinge. Und ein anderer Basispersönlichkeitstyp, der nennt sich Empathiker, und aus dem Namen kann man, glaube ich, auch schon so ein bisschen raushören, wie der die Welt wahrnimmt oder was für den im Vordergrund steht, weil da geht's hauptsächlich ums Gefühl. Also da ist die Beziehung zum Gegenüber das tragende Element, da geht's drum viel zu spüren, wahrzunehmen und den anderen wirklich auch als Person anzuerkennen und nicht nur „als Nummer“, wie man ja ganz oft auch sagt. Also in einem Unternehmen nicht nur als Produktionsfaktor, sondern eben wirklich als Mensch. Oder ich weiß nicht … Soll ich diese sechs Typen kurz umreißen oder sprengt das den Rahmen?

Götz Müller: Ich denke, das passt auf jeden Fall.

Barbara Wanning: Okay, dann haben wir noch einen, der ist auch wieder mehr auf der sachlichen Ebene unterwegs, unterscheidet sich vom Logiker aber dahingehend, dass er mehr im Bereich Werte und Meinungen sich bewegt, also der hat ein sehr, sehr starkes Wertesystem für sich in sich verankert und beurteilt die Dinge, die er so sieht und erlebt eben immer gleich mit einem Abgleich gegen seine Werte und der hat im PCM einfach den Namen Beharrer bekommen und das ist auch gleich eine Bitte, also manche dieser Begriffe, die da verwendet werden, sind jetzt bei uns so im allgemeinen Sprachgebrauch eher ein bisschen negativ belegt oder, ja, werden kritisch gesehen und da sage ich immer „Bitte einfach mal losgelöst von dem, was man bisher für eine Vorstellung hatte von diesen Begriffen, einfach mal das auf sich wirken lassen.“ und also, meiner Meinung nach macht es am Ende ganz viel Sinn und eben dieser Beharrer mit seinen Meinungen ist eben auch einer dieser sechs Basistypen. Und dann gibt's einen, und der ist mir jetzt total nahe, der nennt sich Rebell. Das ist einer, der reagiert sofort mit mögen oder nicht mögen auf alles, was dazu kommt, also der sagt zum Beispiel „Oh, ja Podcast finde ich geil, will ich sofort wieder machen!“ oder „Schon wieder so eine ätzende Geschäftsbesprechung, da habe ich jetzt aber gerade überhaupt keinen Bock drauf.“ Also das sind immer Reaktionen, emotionale Reaktionen, auf irgendwas, ja. Also das ist wie so ein spontanes Kind, was halt einfach sagt „Ja, da habe ich Bock drauf, da habe ich Lust dazu, mag ich, mag ich nicht.“ Dann haben wir noch einen, der nennt sich Macher, bei dem geht’s sehr viel um Aktionen, da muss ganz, ganz viel passieren, viele verschiedene Dinge in relativ kurzer Taktung, also da muss Aufregungen dabei sein und das hört man bei dem auch an der Sprache, also da, wo die anderen vielleicht ein bisschen ausführlicher werden, also wo der Logiker und der Beharrer vielleicht auch ein bisschen ausholen und detaillierte Informationen und Meinungen verbreiten, ist der Macher einer, der Dinge gerne schnell auf den Punkt bringt, also der mag auch kein langes Rumgerede, der spricht auch mit ganz klaren Ansagen, also da kannst du dann hören „Bring mir mal ein Bier mit.“ oder „Hol die Akten aus dem Archiv.“ oder „Sag dem Kollegen XY, dass wir um 2 Uhr losfahren wollen.“ Also das sind klare, knappe Ansagen und da braucht es kein großes Drumrumgerede.

Götz Müller: Ich finde es jetzt insofern spannend, bei dem, was du erzählst, dass das ja alles Dinge sind, die sich eben auf der sprachlichen Ebene abspielen, viele andere Modelle, Persönlichkeitsmodelle, die mir sind schon so begegnet sind, da verlässt man ganz oft die sprachliche Ebene und ich könnte mir vorstellen, dass eben genau durch diese sprachliche Ebene, weil ich im Grunde nur genau zuhören muss, es wahrscheinlich sogar einfacher ist, jemand, ich sage es mal überspitzt, in eine Schublade zu stecken, weil ich nur genau zuhören muss. Nicht wie bei anderen Modellen, wo man das dann vielleicht in 4 Quadranten einteilt und dann das Thema Sprache nur am Rande adressiert.

Barbara Wanning: Ja. Da möchte ich auf zwei Dinge eingeben, also zum einen: Ja, die Sprache ist ein ganz wichtiges Instrument innerhalb von PCM, weil PCM ist im Prinzip ein zweigeteiltes Modell. Das hat einmal einen Persönlichkeitsaspekt, wo es darum geht eben diese sechs Typen, den letzten, den sechsten, den Träumer hatte ich gerade übrigens noch unterschlagen, diese sechs Typen, die haben auch alle besondere Charakterstärken und werden durch bestimmte Dinge motiviert, aber das ist alles was, das kann man ja von außen so erstmal nicht erkennen, also da ist der Mensch ja wie eine Blackbox. Das kann ich über Fragebögen ermitteln, das kann ich über, ja, keine Ahnung … gibt's glaube ich bei verschiedenen Persönlichkeitsmodellen, dass man so bestimmte Fragen beantworten kann und aus diesem Fragen dann die Persönlichkeitsmerkmale ermittelt werden, das gibt's bei PCM auch. Aber oder und PCM macht da aber halt noch nicht Schluss, sondern PCM hat als zweiten Teil das Kommunikationsmodell und da kann ich eben anhand von Beobachtungen Rückschlüsse ziehen auf die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen. Und wenn ich jetzt sage Persönlichkeitsstruktur, wo ich gesagt habe, ich muss bei zwei Sachen etwas dazu sagen, du hattest gerade, glaube ich, den Begriff Schublade benutzt, das ist so etwas, da stellt es so ein bisschen die Nackenhaare immer auf, weil so auch dieses Kästchendenken, ja klar, also das macht es einfacher, wenn man Menschen erstmal grob, ist sage mal in Kategorien eingeteilt, das tut PCM ja auch mit diesen sechs unterschiedlichen Typen. Nur es ist ja keiner von uns jetzt eine Reinform von diesem Beschreibungen, sage ich mal. Das ist eben das, sag ich mal, das ist so mit das Geniale an PCM, weil PCM sagt, wir haben alle diese sechs Typen in uns. Jeder. Nur in unterschiedlicher Anordnung und in unterschiedlicher Ausprägung. Und deswegen … wir sprechen oft auch von Typen im Menschen anstelle von Menschentypen, wie es andere Modelle oft machen. Also deswegen … klar, also auch die PCMler machen immer mal wieder in der Schublade auf und sagen „Okay, das ist jetzt typisch für den und den Basistypen, aber der echte Mensch ist eben eine bunte Mischung aus allen sechs Varianten.

Götz Müller: Okay, jetzt hattest du eingangs das Stichwort Bild verwendet und natürlich eben den Begriff Modell und in meinem Modell von der Welt auch bedingen sich die beiden Dinge, das heißt, ganz bildlich gesprochen die Frage an dich: „Wie muss ich mir hier das Modell PCM dann bildhaft vorstellen?

Barbara Wanning: Ja, da finde ich hat sich der Taibi Kahler ein super schönes oder sehr eingängiges Bild einfallen lassen, er hat nämlich einfach ein mehrstöckiges Gebäude als Bild gewählt. Du musst dir vorstellen ein Gebäude mit sechs Stockwerken und in jedem dieser Stockwerke wohnt, in Anführungszeichen wohnt, einer dieser Persönlichkeitstypen. Und im Erdgeschoss, das ist unser sogenannter Basis Persönlichkeitstyp, also da geht man davon aus, dass der eventuell sogar angeboren ist oder sich eben dann kurz nach der Geburt schon ausprägt. Also das ist der, der uns am allermeisten prägt, der uns von unserer Lieblingssprache her eben immer bleibt, der unsere Charakterstärken bestimmt, ja. Ganz, ganz viele Dinge, also wirklich das Prägendste in unserer gesamten Persönlichkeit und darüber, die anderen, die restlichen fünf Stockwerke, wie die angeordnet sind, das bildet sich dann so in den ersten sechs bis sieben Lebensjahren raus und dann stehen die aber auch fest. Also ich sag mal im Alter von sieben hast du dein sechsstöckiges Gebäude mit den unterschiedlichen Etagen und in jeder Etage eben dann schon festgelegt ein bestimmter dieser sechs Typen. Und dieses Haus hat auch einen Aufzug, weil sechs Stockwerke zu Fuß wäre ja relativ anstrengend, sage ich mal, also hat dieses Haus einen Aufzug, den man nutzen kann, um in die verschiedenen Etagen zu fahren, um dann auch Zugang zu bekommen zu den jeweiligen Stärken des dort wohnenden Persönlichkeitstyps und um auch dann da die Sprache dieses Typs nutzen zu können und die ganzen positiven Eigenschaften. Und dieser Aufzug hat nur einen Haken, der braucht Energie. Also du musst im Prinzip gut für dich sorgen und schauen, dass deine, ich sag mal inneren Energieakkus immer aufgeladen sind, damit sich dieser Aufzug überhaupt in Bewegung setzen kann. Wenn du keine Energie mehr hast, dann bleibt dein Aufzug im Erdgeschoss stecken und dann kannst du auch nur noch aus deiner Basis heraus kommunizieren. Das ist das, was es dann auch schwierig macht und wo dann auch der Stress im Umgang mit den anderen beginnt, weil dir dann einfach die Flexibilität verloren geht.

Götz Müller: Da höre ich jetzt raus „Okay, da treffen jetzt zwei aufeinander, deren Häuser, deren Stockwerkaufbau ist völlig anders, das heißt im Erdgeschoss wohnen zwei verschiedene, ich gehe jetzt mal davon aus, ein Logiker, dem ich mich jetzt nicht ganz so fern einordnen würden und vielleicht jemand, der eher auf der empathischen Ebene unterwegs ist und dann knallt es, oder? Und dann haben wir den Stress.

Barbara Wanning: Richtig. Also, das Problem entsteht immer … Langsam, langsam, langsam. Was heißt Problem? Also dieser Stress nach PCM entsteht aus zwei verschiedenen Gründen. Zum einen, weil jemand über einen längeren Zeitraum nicht in seiner Lieblingssprache angesprochen wird, also wenn du jetzt zum Beispiel eben das Beispiel gewählt hast mit dem Logiker und mit dem Empathiker. Wenn der Logiker ständig nur von Zahlen, Daten und Fakten spricht und der Empathiker permanent irgendwo versucht auf der Gefühlsebene anzulocken, dann haut das ja nicht hin. Also dann merkt man schon so bei beiden irgendwie „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“ Und dann fängt eben der Stress an und da geht's dann, um noch mal auf das Bild von dem Haus zurückzukommen, da geht es dann in den, ich sage mal Stresskeller runter, weil den gibt's in dem Haus auch noch, in verschiedenen Tiefegraden. Da kann man dann eben sehen, wie die Leute dann eben die Tür aufmachen und in ihren Stresskeller runterwandern, wenn das so sich verhakelt in ihrer Kommunikation.

Götz Müller: Okay das wäre jetzt so ein Punkt, du hast von zwei Stresssituation gesprochen, jetzt möchte ich mal den einen noch vertiefen, weil ich mir vorstellen kann, wenn jetzt jemand in seinen Keller absteigt, ich das idealerweise wahrnehme, da impliziert sich dann sofort die Frage: Ok, wie merke ich es denn, dass jemand in den in den Keller abwandert und natürlich, und vielleicht dann auch wieder der Prozessaspekt, und wie kann ich es besser machen, wie kriege ich ihn selber, oder vielleicht wenn ich ein ganz tolles Bewusstsein auch für mich selber habe, wie kriege ich mich selber wieder aus dem Keller raus?

Barbara Wanning: Puh. Das waren jetzt, glaube ich, insgesamt schon drei Fragen. Jetzt muss ich mal gucken, dass ich das sortiert kriege. Also, das erste war, glaube ich, dass du gefragt hattest, woran kann ich erkennen, dass jetzt jemand in seinem Keller absteigt? Richtig?

Götz Müller: Ja.

Barbara Wanning: Okay, also, wir hatten vorhin gesagt, dass das Tolle an PCM ist, dass man durch Beobachten sehr viel erkennen und sehen kann und da gibt's fünf Merkmale, die man beobachten kann. Also es gibt Tonfall, Wortwahl, Mimik, Gestik, Körperhaltung und die gibt es in einem positiven Setting und die ändern sich dann auch entsprechend, wenn der Abstieg in den Keller beginnt. Und du hast zum Beispiel auch eine innere Haltung, also solange du dich in deiner positiven Architektur, so nennt sich das dann, befindest, also in deinen sechs Stockwerke, hat jeder von uns so eine Grundhaltung, die besagt „Ich bin okay und du bist auch okay.“ und wenn der Stress jetzt anfängt zu kommen, das heißt, wenn ich schon meine Hand auf die Türklinke gelegt habe zur Kellertür und jetzt schon kurz davor bin in den Keller abzusteigen, da ändert sich diese Grundhaltung. Da kommt auf einmal eine Bedingung ins Spiel, also da muss entweder ich eine bestimmte Bedingung erfüllen, um noch in Ordnung zu sein oder mein Gegenüber. Und da zeigen sich dann eben die sogenannten Antreiber und die kann ich beobachten, die kann ich hören. Da gibt es ganz klare Signale dafür, also wenn wir bei dem Beispiel bleiben mit dem Logiker und dem Empathiker von gerade eben. Beim Logiker ist der Antreiber, also „Ich muss perfekt sein, damit ich ok bin, du bist sowieso ok.“, also der Logiker muss eine an sich selber gestellte Bedingung erfüllen, nämlich perfekt zu sein und das zeigt sich dann, dass der anfängt, überdetaillierte Aussagen zu treffen. Da können dann Schachtelsätze entstehen mit, was weiß ich, zig Einschüben, sodass der Zuhörer eigentlich schon gar nicht mehr weiß, wo der Satz angefangen hat, bevor der Satz zu Ende. Das wäre so ein Warnsignal, wo ich allein durchs Zuhören erkennen kann „Ah, Moment, da ist jetzt gerade jemand dabei, in den Keller runter zu gehen“. Wenn ich jetzt hier nicht interveniere, wenn ich jetzt hier nicht irgendwie eingreife, dann marschiert der weiter runter in den Keller. Und das ist eben das Tolle. Ich kann intervenieren, also ich muss den nicht komplett in den Keller nach unten rauschen lassen, sondern ich kann dem immer wieder Angebote machen, aus dem Stress rauszugehen und wieder in seine positive Architektur zurückzukommen. Und das Angebot, was ich eben mache, wenn ich erkenne „Oh, jemand ist jetzt gerade auf der Antreiberebene schon unterwegs.“, dann versuche ich durch Zuhören eben zu erkennen, dieser Antreiber, den ich sehe oder höre, zu welchem Persönlichkeitstyp gehört der und wie spricht denn dieser Persönlichkeitstyp am liebsten. Und dann schwenke ich auf die Sprache von demjenigen um. Also, wenn ich jetzt, angenommen ich bin jetzt die Empathikerin und befinde mich mit dir im Gespräch, du bist ein Logiker, und ich höre jetzt bei dir auf einmal Schachtelsätze oder super komplizierte Wörter oder merke so „Ah ja, hm.“, dann sage ich nicht noch „Ach Mensch, Götz, so schön, dass wir uns mal wieder unterhalten und ich habe mich ja so gefreut, dass wir uns getroffen haben vorher, und ach komm, lass uns doch noch mal einen Kaffee trinken.“, sondern dann merke ich „Das ist im Moment die falsche Ebene, der Götz braucht jetzt gerade etwas ganz anderes, der möchte nicht diese persönliche Gefühlskontaktaufnahme, sondern der braucht jetzt einfach mal wieder ganz klar ein paar Zahlen, Daten, Fakten, der braucht einfach mal wieder diese informative Ebene. Und dann ändere ich entsprechend meine Kommunikation, stell dir zum Beispiel wieder eine Frage oder fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe von deiner Einschubaussage und stelle dir zum Abschluss noch eine kurze Frage und das kann eben schon reichen, dass du aus deinem Stress wieder rauskommst, dass du merkst „Ah, okay. Jetzt sind wir wieder in meiner Lieblingssprache unterwegs“, so nach dem Motto „Da kenne ich mich jetzt wieder aus.“ und dann kannst du wieder ganz normal weitermachen und bist auch raus aus diesem komplizierten „Ich muss perfekt sein.“, dann bist du wieder in deiner Architektur zurück und alles ist gut.

Götz Müller: Ja. Verstehe ich. Das heißt, ich nutze mein eigenes Wissen, meine dann hoffentlich vorhandene Flexibilität eben, um selber vielleicht aus meinem eigenen Erdgeschoss rauszugehen, jetzt nicht in den Keller, sondern in ein höheres Stockwerk, dass meinem Gegenüber entspricht und kommuniziere dann mit ihm auf der Ebene.

Barbara Wanning: Ganz genau. Und dadurch kannst du ihm im Prinzip die Hand reichen, wieder auszusteigen aus dem Stress. Also, du kannst niemanden wirklich aus dem Stress rausholen, wenn der nicht will, aber du kannst ihm die Hand reichen, du kannst ihm ein Angebot machen. Und dieses Angebot machst du eben dadurch, dass du seine Sprache aufgreifst und verwendest, genau.

Götz Müller: Ich mache das Licht auf der Kellertreppe an.

Barbara Wanning: Ja. Sodass er den Weg nach oben wieder erkennen kann. Das gefällt mir, ja. Das muss ich mir merken.

Götz Müller: Wenn ich jetzt selber merke, ich steige da nach unten gerade, dann bin ich wahrscheinlich schon mal ein ganzes Stück weiter, wenn ich es überhaupt merke und nicht erst irgendwann, wenn ich im Dunkeln sitze.

Barbara Wanning: Ja.

Götz Müller: Was tue ich da am besten?

Barbara Wanning: Ja, also so wie Du gerade gesagt hast, in dem Moment, wo du es merkst, bist du schon einen ganz riesengroßen Schritt weiter, weil … Selbst wenn du jetzt dieses Modell kennst, das halt da nicht, dass dein Gegenüber das Modell auch kennt, also du kannst nicht unbedingt erwarten, dass dir jetzt jemand anders die Hand reicht, aber du kannst sie dir selber reichen. Also du kannst dann selber mit dir im Prinzip sprechen und sagen „Ach Mensch, Götz. Jetzt bin ich doch wieder in meinem ‚Ich muss perfekt sein‘-Antreiber unterwegs, komm lass den Quatsch, mach mal wieder normal weiter.“ und das kann oft schon helfen, dass du dich selber da wieder rausholen kannst. Was aber viel wichtiger ist, sage ich mal, dass du schon vorbeugend tätig wirst, weil ich sag mal Stress ruft automatisch Stress beim Gegenüber hervor, und je besser du gewappnet bist, bevor du in das Gespräch reingehst, je voller deine Akkus sind, desto eher kannst du es dann schaffen, entspannt zu bleiben und wirklich eben deinen Aufzug zu benutzen und auch bei dir selber noch diese Signale wahrzunehmen. Wenn du selber schon völlig leer bist, weil du, was weiß ich, aus verschiedenen Gründen … es ist schon die zehnte Besprechung an dem Tag und du bist einfach kaputt und alle, dann schaffst du das auch nicht mehr. Also das sind so ein bisschen auch die Grenzen, sage ich mal, also es hilft dir, das zu kennen und bei dir selber wahrzunehmen. Nur wenn deine Energie einfach nicht mehr da ist, dann ja … Also von daher immer gut gucken, Bedürfnisse befriedigen … Bedürfnisse Stichwort. Genau, das ist nämlich auch noch ein Teil, der in diesem Modell behandelt wird, also jeder dieser sechs Typen hat auch unterschiedliche psychische Bedürfnisse und da ist es eben gut zu wissen, wo man da selber einzuordnen ist, also was man selber braucht, um wieder Energie zu kriegen und das kann bei dem einen sein, dass der sagt, er möchte jetzt erstmal wieder Ruhe und Zeit für sich alleine haben und erstmal einen halben Tag in der Natur sein am Wochenende. Das kann sein beim anderen, der sagt „Oh, Moment, ich muss jetzt erstmal wieder zu einem Pferderennen oder eine Pferdewette machen, damit ich hier ein bisschen Aufregung wieder kriege, weil im Büro ist es so stinklangweilig. Also das ist ganz unterschiedlich, aber das sind so die Sachen, wo man sagt, gut für sich selber sorgen, damit eben die Akkus voll sind, damit man eben in schwierigeren Gesprächssituationen die Chance hat, sich selber noch am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Also wenn die Akkus leer sind, wird es einfach schwierig.

Götz Müller: Ja. Das ist absolut nachvollziehbar. Jetzt zum Abschluss … wir haben ja ganz oft nicht bloß Situation in einem Dialog, also wie wir zwei uns jetzt hier unterhalten, sondern speziell eben dein Eingangsstichwort aufgreifen, Besprechungen, da sitzen mehrere, am Tisch, unterhalten sich über Dinge, die notwendig sind und haben halten ein unterschiedliches Erdgeschoss. Was ist jetzt so deine Empfehlung, was bietet das Modell an, wie ich mit solchen Situationen umgehe? Wie ich es da nutzen kann?

Barbara Wanning: Ja. Also ich sage mal, im Prinzip machst du das Gleiche wie wenn du jetzt nur einen Menschen gegenüber hast: Du beobachtest. Du beobachtest und hörst darauf, wie die Menschen sprechen. Ich gebe zu, dass ist am Anfang, das braucht Übung, weil in einer Besprechung ist ja auch wichtig, dass du den Inhalt mit kriegst und sich da auf den Prozess zu konzentrieren, das ist schon nicht ganz so trivial, aber du kriegst mit der Zeit mit, wie platzieren die Besprechungsteilnehmer eben ihre Aussage und kannst dann entsprechend die jeweilige Sprache benutzen oder eben einfach du sagst, du mischst sie einfach von Haus aus. Also diese sechs Sprachen, die benutzen auch unterschiedliche Wörter, da geht's um eine bestimmte Tonlage, um eine Sprechgeschwindigkeit unter anderem auch und je bunter du das durcheinander mischst, desto größer wird natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass du jeden der Menschen, die da mit dir in dieser Gruppe sind, irgendwann mal erreichst, weil jeder hat so seine Antennen auf ganz bestimmte Sachen ausgerichtet und das muss dann nicht lange sein, das muss noch nicht mal ein kompletter Satz sein. Da reichen manchmal einzelne Wörter, dass jemand zwischendrin wieder auf horcht und denkt „Oh, jetzt hat er mich gemeint. Also jetzt hat er meine Muttersprache benutzt.“ Und so kannst du da eigentlich ganz flexibel, indem du einfach in deinem Gebäude in dem Aufzug hoch und runter fährst und das gut durchmischst, eine schöne Ebene schaffen.

Götz Müller: Und eben, würde ich sagen, auch im Vorfeld oder dann im Nachgang an Gespräche mal reflektieren „Ok, wen habe ich da jetzt um den Tisch rum gehabt?“, um es dann beim nächsten Mal, du hast das Stichwort Übung gesagt, um es dann beim nächsten Mal besser zu machen.

Barbara Wanning: Genau. Ich mein, das kommt ja auch immer drauf an, sind es jetzt Menschen, mit denen du häufiger zu tun hast, also sind es jetzt Kollegen oder Mitarbeiter, die du regelmäßig triffst. Da kannst du wirklich da so eine kleine Nachbereitung machen und dann sagen „Ah, okay.“, dann Hypothesen bilden, „Den würde ich jetzt kommunikationsmäßig eher da einordnen, den eher da.“ und wenn du jetzt merkst, in deiner Besprechung sitzen sowieso nur, ich sage jetzt mal, Logiker und Beharrer, dann macht es keinen Sinn, Späßchen zu machen für den Rebellen oder die Gefühlsebene zu betonen für den Empathiker, wenn die überhaupt nicht dabei sind, also dann kannst du dich auf die Sprachen konzentrieren, die von den Menschen vorrangig eben besprochen werden. Nur wenn Du permanent mit wechselnden Gruppen zu tun hast, die du einfach im Vorfeld nicht kennst oder auch wenn du eine Rede hältst, einen Vortrag, dann kannst du auch in der Vorbereitung von dem Vortrag einfach immer mal wieder das querbeet durchmischen, um es einfach interessanter zu gestalten und immer mal wieder auch jeden einzelnen dadurch abzuholen.

Götz Müller: Gut. Sehr spannend. Jetzt könnte ich mir vorstellen, so als kleiner Hinweis für die Zuhörer, mal zu reflektieren, ob das jetzt langweilig war unsere Unterhaltung und in welchem Bereich dann jemand da unterwegs war und vielleicht, gleich das praktisch aufzugreifen und etwas zu lernen. Ich könnte mir aber durchaus auch vorstellen, dass der ein oder andere noch etwas nachlesen will. Da werde ich das in die Notizen unserer Episode mit reinnehmen, da hast du bestimmt einen großen Fundus, wo man eben etwas nachlesen oder vielleicht was nachhören kann sogar.

Barbara Wanning: Ja, das wäre super, wenn du das einfach verlinkst, weil ich habe auf meiner Website verschiedene Blogbeiträge, habe zu dem Modell als solches etwas geschrieben. Man kann sich da auch über dieses Profil, über das Persönlichkeitsprofil, was man auch erstellen lassen kann, informieren. Und natürlich kann sich jeder auch gerne jederzeit mit mir dann direkt in Verbindung setzen, also Kontaktdaten sind dann ja da auch. Das ist mein absolutes Steckenpferd, ich freue mich über jeden, der mit mir kommuniziert.

Götz Müller: Das hört man definitiv raus. Barbara, ich danke dir für deine Zeit, mal ein etwas anderes Prozessthema, aber trotzdem sehr spannend,

Barbara Wanning: Ja. Ich danke dir für die Einladung. Das hat mir viel Spaß gemacht heute. Danke Götz.

Götz Müller: Das war die heutige Episode im Gespräch mit Barbara Wanning zum Thema Stressfreie Kommunikationsprozesse. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 165.

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Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder zu lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

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