Kaizen 2 go 173 : Social-Media-Marketing-Prozesse


 

Inhalt der Episode:

  • Wie sieht grundsätzlich ein Social-Media-Marketing-Prozess aus?
  • Wie unterscheidet sich Social-Media von klassischem Marketing?
  • Welche Zielgruppen lassen sich mit Social-Media besonders gut ansprechen?
  • Welche Abhängigkeiten bzw. Randbedingungen bestehen evtl. bzgl. der Branche bzw. allgemein B2C oder B2B?
  • Wie sieht der Einstieg ins Social-Media-Marketing typischerweise aus?
  • Welche Wechselwirkungen bestehen zw. Social-Media und Digitalisierung?
  • Was unterscheidet Social-Media-Marketing für digitale Produkte von klassischen Produkten oder Dienstleistungen?
  • Wie können sich Unternehmen mit “klassischen” Produkten/Leistungen neue Zielgruppen erschließen?
  • Das Buddhistische Prinzip und der Bezug zum Wirtschaften

Notizen zur Episode:


Mitmachen?

Wenn Sie selbst ein interessantes Thema für eine Episode im Umfeld von Geschäftsprozessen haben, können Sie mir das auf dieser Seite mit Vorbereitungsfragen vorschlagen.

Ich freue mich darauf!

Ihnen hat der Inhalt gefallen? Dann bewerten Sie die Episode bitte bei iTunes.
Jetzt eintragen und Artikel zukünftig per eMail erhalten.

(Teil)automatisiertes Transkript

Episode Kaizen 2 go 173 – Social-Media-Marketing-Prozesse

Herzlich willkommen zu dem Podcast für Lean Interessierte, die in ihren Organisationen die kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse und Abläufe anstreben, um Nutzen zu steigern, Ressourcen-Verbrauch zu reduzieren und damit Freiräume für echte Wertschöpfung zu schaffen. Für mehr Erfolg durch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, höhere Produktivität durch mehr Effektivität und Effizienz. An den Maschinen, im Außendienst, in den Büros bis zur Chefetage.

Götz Müller: Heute habe ich Christian Allner bei mir Podcast Gespräch. Er ist der Inhaber der Agentur Schrift-Architekt. Hallo Christian.

Christian Allner: Hallo, freut mich da sein zu dürfen.

Götz Müller: Ja. Klasse, dass es klappt heute. Jetzt habe ich schon kurz den Namen deiner Agentur genannt. Ich glaube, da hat man jetzt nicht sofort ein hundertprozentiges Bild im Kopf. Das heißt, sag mal zwei, drei Sätze, was man unter Schrift-Architekt verstehen darf.

Christian Allner: Als Schrift-Architekt berate, betreue ich vor allem KMUs darin, besser zu kommunizieren, bei Social Media sicher zu werden und das Thema Datenschutz zu meistern. Seit letztem Jahr biete ich in dem Fall über „Der Datenschutzbeauftragte“, aber halt auch verknüpft mehr Agentur, auch Tätigkeiten und Dienstleistungen als Datenbeauftragter an.

Götz Müller: Die Dinge, die durchaus gewisse Affinitäten haben, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Christian Allner: Das einmal und auch einfach sich gegenseitig ergänzen in der Thematik Social Media Marketing, Online Marketing an sich, passt es natürlich auch hervorragend mit rein.

Götz Müller: So jetzt haben wir heute ja das Thema Social Media Marketing, Marketingprozess. Da vielleicht mal zum Einstieg, wie sieht grundsätzlich der Social-Media-Marketing-Prozess aus, wenn es dieses grundsätzlich überhaupt gibt.

Christian Allner: Grundsätzlich gibt es das nicht. Es gibt natürlich alle möglichen Agenturen, selbsternannten Gurus oder, wie ich dann immer gerne sage, die Social Media Blender, die halt versuchen einem vorzugaukeln, wenn du Prozess XYZ verfolgst, also meistens so der klassische „Mein 5-Tageskurs“-Kerl, der dann irgendwas präsentieren möchte, dann innerhalb von 10 Tagen hast du 10.000 Fans, also das ist der Klassiker. Das ist auf demselben Niveau wie irgendwelche Homeshopping-Kanäle. Kann man gerne machen, aber man sollte sich nicht wundern, wenn die Sache dann auseinander bricht nach dem ersten Benutzen. Also eine Standardisierung gibt es zwar insofern schon, aber jetzt so nicht das 08/15-Rezept für Erfolg, aber ich glaube es gibt in keiner Branche. Was es aber bei Social Media gibt, das sind so die üblichen Verdächtigen, was Kanäle angeht, auch Content angeht, aber das ist ja auch in jeder Branche ähnlich, wenn ich an Radio, TV denke, die je nach Zielgruppe auch besser funktionieren als andere.

Götz Müller: Jetzt glaube ich lohnt es sich auch zum Einstieg mal zu beleuchten, wie sich das Thema Social Media Marketing von klassischem Marketing, was der ein oder andere vermutlich kennt, unterscheidet.

Christian Allner: Kurzfassung: Es ist jetzt Dialog, kein Monolog.

Götz Müller: Ok. Und gibt's eine Langversion oder geht’s dann wieder sehr weit in die Breite?

Christian Allner: Die Langversion machen wir ja jetzt gerade, denn wir unterhalten uns ja im Podcast. Das ist ja auch einen Teil von Social Media und wir tun das dialogisch. Ich lamentiere und laber jetzt nicht die ganze Zeit, sondern wir sind halt eben im direkten Austausch miteinander und das ist halt etwas, was auch Social Media als Medientyp wirklich auszeichnet, dass ich in einen Austausch mit meiner Kundschaft und meiner Zuschauerschaft, meiner Zielgruppe eben treten kann, auch in einem sehr, sehr konkreten Austausch mit einer sehr, sehr konkreten Zielgruppe. Das ist auch so ein großer Vorteil, was Social Media im Rahmen des gesamten Digitalisierungsprozesses bietet. Ich bin ja nicht nur auf eine bestimmte Region begrenzt, sondern kann mindestens Sprachen, landesweit, jetzt an Deutschland, den deutschsprachigen Raum denke, so der sogenannte Dachraum, also unserem Fall der deutschsprachige Raum oder auch prinzipiell global, da sind maximal die Sprachgrenzen ein bisschen hinderlich, aber da kann ich halt mit allen Leuten in Kontakt treten, die halt Interesse daran haben, was ich tue, was ich verkaufe, was ich zu sagen habe. Je nachdem. Das ist so der große, großer Vorteil bei so Social Media, es ist dialogisch orientiert und vor allem auch interessenbasiert und eigentlich ortsunabhängig.

Götz Müller: Du hast auch ein wichtiges Stichworten, Zielgruppe, genannt und da ging dann mir sofort durch den Kopf, eben bei klassischem Marketing muss ich einen Zuhörer haben. Jetzt hast du das Stichwort Dialog genannt, das heißt, es muss auch jemand antworten. Da entsteht dann für mich die Frage, okay, gibt's Zielgruppen, die sich da besonders gut ansprechen lassen? Vielleicht so klassisch Stichwort Influencer, wobei ich halt auch immer eher so das Thema B2B auf dem Schirm habe.

Christian Allner: Da müssen wir bei Zielgruppen wirklich auch unterscheiden, wen wir ansprechen möchten. Du hast ja bei Zielgruppen alle möglichen Kategorisierungen und Typisierungen, was es da nicht alles gibt. Ich mache es immer gerne so, dass ich einmal in demografische und psychografische Merkmale unterteile, also einmal alles, was ich irgendwie objektiv festzurren kann bei Zielgruppen, also Alter, Geschlecht, Wohnort, was weiß ich nicht, was man irgendwie in Listen erfassen kann und was halt die Leute irgendwo eint, also Stadtbewohner versus Landbewohner oder Einwohner einer bestimmten Region, dass ich die halt konkret anspreche, das ist halt etwas Objektives. Da habe ich nämlich auch von 0 bis 100 – Mann, Frau, sonstige Geschlechter und Sichtweisen einfach alle zusammen. Das psychografische wiederum ist halt alles, was halt eben die subjektive Sichtweise des Menschen betrifft. Also objektiv könnte ich sagen, ich möchte 50-jährige Frauen ansprechen. Das wäre so eine klassische demographische Komponente. Psychografisch macht aber auch gerade beim Social-Media-Bereich teilweise auch mehr Sinn, dass ich halt vielleicht 50-jährige Frauen ansprechen möchte, aber mit einem bestimmten Blick auf die Welt. Wenn ich zum Beispiel Anti-Aging-Produkte verkaufen möchte, kann ich nicht jede 50-jährige Frau ansprechen, nur weil ich weiblich und 50 bin, heißt das nicht, dass ich automatisch Anti-Aging-Produkte kaufe. Das kann auch das genaue Gegenteil sein. Und da kommen halt einfach Sichtweisen, vor allem auch Selbstsicht, Werte, Moralvorstellungen, was weiß ich nicht alles, mitzutragen, die man bei Social Media auch bewusst mit ansprechen kann. Das wird ja im positiven, wie auch negativen getan. Wenn ich da alleine an die ganzen Debatten um Fake-News, Wahlmanipulation etc. denke, da haben wir in unserem eigenen Radio-Podcast auch schon ein paar Mal drüber gesprochen. Das ist halt auch eine Folge davon, dass eben Leute miteinander in Dialog treten und dadurch eben auf dem Meinungen miteinander in Konkurrenz treten oder halt eben aufeinanderprallen.

Götz Müller: Jetzt hatte ich so ein Stichwort schon genannt, B2C oder B2B, und das möchte ich noch ein bisschen vertiefen. Was für Abhängigkeiten, was für Randbedingungen ergeben sich daraus, die dann wiederum Richtung Social Media Einfluss haben?

Christian Allner: Ich habe das mal als Zitat gehört und kann es eigentlich auch auf generell Social Media ausweiten: wenn du mit Plattformen arbeitest, und das sind ja die meisten Social-Media-Anbieter, das sind ja bestehende Plattformen, sei es, dass sie sich Facebook nennen, Twitter, einzige Ausnahme ist der Mastodon, als eine dezentrale Open-Source-Software, aber prinzipiell so die üblichen Verdächtigen von Google über Facebook und Co sind ja bestimmte Plattform, bestimmte Websites, wo ich mir dann ein Konto anschaffe und da kann ich eigentlich nur sagen: „Flirte mit ihnen, aber steige mit ihnen nicht ins Bett. Mach dich nicht abhängig.“ Das ist erst mit der wichtigste Aspekt, denn Facebook kann irgendwann untergehen. Von StudiVZ redet heutzutage auch keiner mehr. Bei MySpace sind auch nicht unbedingt mehr viele Leute. Also das gesamte Ökosystem kann sich da natürlich auch verändern, mindestens durch Generationswechsel, aber natürlich auch durch sonstige gesellschaftliche Entwicklungen, sodass halt eben viel, viel Zeit die vielleicht reingebuttert habe, in den Aufbau beispielsweise einer Facebook-Seite dadurch zunichte gemacht wird, dass vielleicht mein Konto gesperrt, Marc Zuckerberg morgen beschließt „Ich mach den Laden dicht, das will ich meiner Tochter nicht antun.“ oder sonstige Konstellationen und ich kann da halt nichts dagegen tun.

Götz Müller: Ja oder der Punkt, der wieder zu deinem, ich nenne es jetzt mal zweiten Standbein, datenschutzrelevant ist, vor kurzem habe ich es wieder gelesen, dass, wie hieß das Ding, Datenschutzkonferenz, dass die beschlossen haben, wiederholt beschlossen haben, dass Facebook-Firmenseiten nicht der DSGVO entsprechen.

Christian Allner: Ja, da gab es im letzten Jahr in Schleswig-Holstein entweder vom Landes- oder Oberlandesgericht auch ein Urteil, da hatte die Landesdatenschutzbehörde sich mit einer Wirtschaftsakademie angelegt und da wurde dann auch entschieden seitens des Gerichts, dass diese Akademie nicht nur ein Impressum braucht auf ihrer Facebook-Seite, sondern eben auch eine Datenschutzerklärung, weil das Bestehende von Facebook nicht ausreicht. Und das ist ja sowieso auch ein altes Thema. Facebook ist illegal. Wir hatten bei uns in den Online-Gassen auch schon den Landesdatenschutzbeauftragten von Thüringen zu Gast, der dadurch berühmt wurde, dass er gesagt hat „WhatsApp ist illegal.“, womit die an sich ja auch recht haben. Diese Dienste genügen nicht den deutschen Datenschutzanforderungen, generell den europäischen, wenn wir jetzt im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung schauen. Dadurch habe ich natürlich auch eine ganz gute Auslastung in meiner Nebentätigkeit als Datenschutzbeauftragter, aber es hat unabhängig jetzt von online, das gilt offline natürlich genauso, was denn Datenschutz angeht, aber was natürlich gerade bei Social-Media-Marketing eine ganz andere Bandbreite hat, weil da natürlich sehr, sehr viel stärker mit Daten gearbeitet wird, die ja einfach schon technisch notwendig sind, um überhaupt in Kommunikation miteinander zu treten.

Götz Müller: Jetzt hast du es vorhin angedeutet als, sagen wir mal so der allererste Einstieg, nämlich halt sich ein Profil anzulegen, wenn wir jetzt über Social-Media-Marketing reden, reicht vermutlich nicht aus. Das heißt, wie sieht so der klassische Einstieg ins Social Media Marketing typischerweise, wenn sowas gibt es aus?

Christian Allner: Als Beispiel: Du hast ein Unternehmen … wollen wir das gleich mal am Beispiel direkt machen, du hast ein Unternehmen, ja/nein.

Götz Müller: Ich bin Freiberufler.

Christian Allner: Ok, welcher Themenbereich, welcher Schwerpunkt.

Götz Müller: Prozessoptimierung.

Christian Allner: Okay, dass wir es einfach nur festgezurrt haben kurz als Schlagworte und dann sagst du „Ok, komm, ich will es jetzt nicht alles selbst stemmen, ich suche mir Social Media Manager, Christian hat doch ganz kompetent gewirkt, fragen wir da einfach mal“, dann werde ich dein Social-Media-Typ und der erste Schritte wäre dann erstmal festzulegen, wer ist eigentlich deine Zielgruppe. Das ist wirklich so ein Klassiker, da ist Marketing, erstmal herausfinden, mit wem hast du eigentlich zu tun schlicht und ergreifend? Wer sind die Menschen, die bei dir kaufen, die sich für deine Sachen interessieren und dann halt eben in den nächsten Schritten zurren wir langsam fest, welche Themen sich dafür überhaupt anbieten, also welche Art von Marketing betrieben werden soll und eigentlich ganz zum Schluss kommt erst die technische Lösung, also sprich die Plattform.

Götz Müller: Da höre ich ein Stück weit eben auch raus, da unterscheidet sich jetzt Social Media Marketing vom klassischen Marketing fast gar nicht, oder? Weil die Frage, wer ist meine Zielgruppe und was haben die von meiner Leistung, die stellt sich aber im klassischen Marketing auch.

Christian Allner: Marketing ist Marketing. Also du kannst das Rad nicht neu erfinden. Der größte Unterschied zwischen dem klassischen, vor allem analogen, Marketing und dann dem Online-Marketing, und speziell dem Social-Media-Marketing als Untertyp davon, ist halt, dass ich meine Zielgruppen wesentlich konkreter ansprechen kann. Wenn ich früher eine Zeitungsanzeige geschaltet habe, dann habe ich zum einen Scheiß viel Geld bezahlt, das habe ich auch schon paar Mal für Kunden durch, das sind ziemlich horrende Preise, die da teilweise gefordert werden und ich kann da nur hoffen, dass es die richtigen Leute erwischt. Wenn ich jetzt zum Beispiel im B2B-Bereich dreißigjährige Manager, männlich, weiblich, egal, erreichen möchte, dann suche ich mir im besten Fall vielleicht ein entsprechendes Magazin, das in dem Themenfeld so grob unterwegs ist, frage an, wie viel da eine Werbeanzeige kostet, gebe das in Auftrag und hoffe das Beste, dass überhaupt erstmal alle Magazine ankommen, dass da nicht gerade irgendeine sonst was, eine Nachrichtenmeldung die Runde macht und deswegen keiner an dem Tag das Magazin gekauft, wo es rauskommt und ich da drin bin und sonst was für Situationen eintreten können. Da hast du halt im klassischen Marketing, viel Daumen kreuzen und hoffen und im Social Media Marketing kannst du natürlich wesentlich stärker und fokussierter vorgehen. Also Zielgruppe ist halt wirklich ein die Zielgruppe sich zurecht klicken in Formularen, die ich halt möchte und dann halt bei Facebook angeben bekommen, in dem und dem Umkreis, mit den und den Interessen, die dann entsprechend alle Facebook-Nutzer alle WhatsApp-Nutzer und Instagram-Nutzer umfasst, könnte ich dir 3.500 Leute anbieten beispielsweise. Da kann ich natürlich wesentlich fokussierter vorgehen und mein Marketing natürlich wesentlich stärker auch auf bestimmte Themen vor allem auch, Stichwort Subkulturen, Interessensgruppen, das Ganze halt wesentlich stärker fokussieren, was natürlich auch durch das negative Folgen hatte. Da gab’s ja auch haben diese großen Diskussionen, zum Beispiel eben Facebook, wo es dann um Wahlmanipulationen ging in entsprechenden Werbeanzeigen. Da musste Facebook auch an vielen Stellen zurückrudern und bestimmte Dinge stärker anonymisieren. Ich kann bei Facebook inzwischen nicht mehr nach Gehalt kategorisieren. Das konnte ich vor ein, zwei Jahren noch. Da konnte ich Menschen erreichen, die zum Beispiel in Leipzig wohnen und drei bis fünftausend Euro brutto verdienen.

Götz Müller: Wo man sich dann fragen muss, woher weiß Facebook das.

Christian Allner: In dem Fall über Drittanbieter. Das wäre jetzt da ganz konkret gewesen eine Kooperation von Facebook mit einem Statistikdienst und am Ende, in den USA läuft ja alles über die ZIP-Codes, wie viel du verdienst und wie viel nicht, und in Deutschland gibt es auch statistisch Warenkorb etc. pp., also genügend allgemeine Übersichten und wenn Facebook halt weiß zum Beispiel über Logins, die ich tätige, die ja auch über eine IP-Adresse laufen, dadurch natürlich auch eine geographische Zuordnung ermöglichen und Facebook dann beispielsweise weiß, ich bin vor allem in Berlin tätig, dann weiß es schon mal, ok ich bin Berliner voraussichtlich, und habe es vielleicht sogar angegeben, dass ich aus Berlin komme, ich bin männlich, ich bin 30 Jahre alt beispielsweise. Dann kann Facebook halt eben über Triangulation mit anderen Daten von eben Partnerunternehmen auch schon mal rausfinden, okay, würde also statistisch, was weiß ich, zweitausend brutto verdienen oder sowas, als Frau im selben Alter wird’s wahrscheinlich bedauerlicherweise weniger sein, aber das sind halt wieder Statistiken, die kannst du niemals auf Einzelperson unterbrechen, aber je mehr Datenpunkte Facebook und Co da haben, desto genauer kann man es natürlich sagen. Das ist dann das berühmte Big Data an der Stelle. Wirf einfach genügend Informationen auf etwas und dann kommt irgendwann auch was halbwegs Brauchbares bei rum.

Götz Müller: Und wahrscheinlich gilt dann diese alte Regel, war es Henry Ford sagt, der gesagt hat, mit dem Geld dafür ausgibt und 50 % davon ist rausgeschmissenes Geld für die Werbung, man weiß bloß dummerweise nicht, welche Hälfte. Wo ich jetzt mal vermute …

Christian Allner: Also, das ist generell das Problem der Werbung, man weiß, also Marketing überhaupt, man weiß nie, wie die Leute auf einen gekommen sind. Ich hatte auch schon Kunden gehabt, das lief dann über meine Cousine, die Lebenspartnerin mal, also privat eine Freundin angesprochen hatte und dann kam man da auf mich zu. Also das war in dem Fall klassisch Mundpropaganda, die auch niemals unterschätzen würde und wo man auch mit Social Media einiges erreichen kann. Aber das ist so ein allgemeines Problem, gerade wenn ich halt in Richtung von Werbeanzeigen, also Social Advertising gehe. Ich weiß halt niemals, wie es wirklich funktioniert, aber wo ich halt noch wesentlich mehr Gemutmaße hatte in klassischer, analoger Werbung, genauso auch Print, TV, Radio, kann ich jetzt bei Social Media wesentlich besser einmal vorsortieren und dann natürlich auch auswerten. Das ist zwar vom Datenschutz alles eine sehr traurige Geschichte, aber fürs Marketing natürlich eine sehr gute Angelegenheit, dass halt alles ausgewertet wird. Ich kann prinzipiell bis auf Einzelpersonen runterbrechen, wer sich wann was wie angeschaut hat und weiß natürlich auch, wo vielleicht auf der Webseite noch nachbessern muss, ob ich den Button größer machen muss oder bestimmen Formulare vereinfachen, weil die Leute dort zu drei Vierteln schon abspringen. Und das habe ich halt bei klassischer analoger Werbung nicht. Das weiß ich nur, ja ist gesendet worden, aber auch selbst bei der Zeitung weiß ich nicht, wie viel Zeitungen sind im Briefkasten gelandet schlussendlich.

Götz Müller: Ja und man weiß nicht, wenn eine Zeitschrift durchgeblättert wird, wo bleibt das Auge hängen. Man kann nur die Daumen drücken und hoffen, dass jemand seine Anzeige sieht.

Christian Allner: Und das geht halt auch wieder bei Social Media beziehungsweise dann über Analytics Auswertungsdienste unter dem Stichwort Heat Maps wären das dann.

Götz Müller: Okay, du hast gerade ein Stichwort gesagt, dass so ein bisschen in die Richtung meiner nächsten Frage geht: Auswertung. Da kommt, glaube ich, relativ schnell der Gedanke Digitalisierung hoch. Was gibt's da deiner Ansicht nach Wechselwirkungen? Wie kann das eine vom anderen profitieren?

Christian Allner: Ich hatte vor kurzem jemanden, der mich gefragt hatte, da ging es um so eine Preisausschreibung, wie hat die Digitalisierung ihrem Unternehmen genützt? Ich musste da wirklich eine Sekunde pausieren, bis ich dann gesagt habe: „Ohne die Digitalisierung gäb’s mich gar nicht.“

Götz Müller: Okay.

Christian Allner: Und das ist halt auch mit den Analytics-Diensten ähnlich. Ich meine statistische Auswertungen, Erfolgskontrolle, klar, gab es vorher auch. Aber der große Unterschied bei speziell jetzt Social Media Marketing, dass die gesamt Erfolgskontrolle halt konstant stattfindet, nicht nur durch irgendwelche Fragen, die vielleicht einmal pro Quartal durchgeführt werden und ich halt wirklich eine konstante Auswertung habe und daneben auch bei beispielsweise, ich habe auch einen Social-Media-Statistik-Blog, die ich mitbetreue, da können wir von 2011, war das gewesen, bis heute im Grunde fast lückenlos jeden einzelnen Tag nachvollziehen. Das ist, wie gesagt, datenschutzrechtlich, reden wir mal lieber nicht drüber, das ist wie gesagt eine sehr traurige Geschichte, aber rein für die Erfolgskontrolle, für die Auswertung des Ganzen ist das eigentlich ein Segen, weil ich dann natürlich auch meinen Geldgebern oder meiner Finanzabteilung, je nachdem, wo ich da wie angestellt bin oder tätig bin, kann ich natürlich auch perfekt sagen „Hier, liebe Leute, die Zahlen sagen Folgendes“ und das kann halt wirklich sehr, sehr lückenlos, teilweise wirklich bis auf Minuten runtergebrochen, bis auf einzelne Nutzer runtergebrochen werden, und dann weiß man halt wesentlich mehr und aussagekräftiger, was funktioniert und was nicht funktionieren.

Götz Müller: Ja, das bringt mich jetzt zu einer Fragestellung, wieder der Vergleich zwischen klassischen Produkten oder Dienstleistungen, Sachen, die ich greifen kann. Bei Dienstleistungen vielleicht nicht unbedingt, aber zumindest bei Produkten, und dann gibt's da so ein weiteres Feld von digitalen Produkten, fängt an vielleicht dann beim einfachen eBook und kann ja deutlich komplizierter werden. Wie sehen da die Unterschiede aus?

Christian Allner: Wir können gerne in einem halben Jahr noch mal miteinander sprechen, dann kann ich dazu auf jeden Fall auch ein paar andere Aussagen mittreffen. Ich bin gerade dabei ein Startup mit dem E-Learning Bereich hochzuziehen. Also wenn alles gut geht, haben wir irgendwann Netflix für Dummies an der Stelle, was jetzt einfach so die Inhalte angeht. Das wäre dann ja wirklich so ein klassisches Beispiel für rein digitale Angebote. Witzigerweise habe ich auch gerade eine Weiterbildung, die leite für die Digital Learning Manager und da ist auch diese Situation von, wir könnten halt klassische Weiterbildung als Präsenzveranstaltungen verkaufen oder Bücher verkaufen oder eben eBooks, Webinare etc.pp. Und der größte Unterschied ist eigentlich die Akzeptanz des Publikums erstmal als Produkt, als Dienstleistung an sich. Es macht keinen Unterschied. Es ist halt nur eine Frage, wie die Leute es akzeptieren. Für viele ist ja ein gedrucktes Buch immer noch mehr wert als es ein eBook es jemals sein könnte. Das ist an sich auch vollkommen okay, aber das sind halt einfach Sichtweisen. Mit diesem Sichtweisen muss man arbeiten.

Götz Müller: Wobei ja durchaus digitale Produkte manchmal deutlich teurer sind, so auf den ersten Blick zumindest, wie jetzt das klassische Buch

Christian Allner: Hat vor allem auch mit dem Preisunterschied zu tun, weil ja ein eBook mit 19% und gedruckte Bücher nur mit 7% Mehrwertsteuer belastet werden, da ergeben sich teilweise Preisunterschiede, aber drücke und Wucher Gibt's natürlich auch überall. Unabhängig davon. Gerade auch ein klassisches Beispiel eBook, normales Buch, damit kann jeder irgendwas anfangen und das ist für viele halt auch so ein Verständnisding. Jetzt vor allem aus meiner Einsicht erstmal so ein Generationenwandel. Ich selbst sage auch weiter und ich bin ein großer Freund des gedruckten Buches, ich liebe den Geruch von Druckerschwärze und mag es halt auch einfach Seiten umzublättern und es ist für mich hat auch einfach so ein haptisches Erlebnis. Aber da muss halt auch wieder unterscheiden, ich habe gerade das zweifelhafte Vergnügen zu promovieren und habe da natürlich auch mit sehr, sehr viel Literatur zu tun, so ein Doktor macht dich ja nicht von jetzt auf gleich und da muss ich natürlich auch einiges an Wälzern durcharbeiten und da sehe den großen Vorteil auch konkret der Digitalisierung, denn gerade auch bei Sachbüchern … man will ja immer nur einen bestimmten Teil, man sucht meistens … wenn man ein Sachbuch aufschlägt, ja, will man da jetzt nicht wie im Roman durchblättern und alles in Ruhe durchlesen, weil man auch meistens gar nicht die Zeit hat, wenn recherchiert wird, sondern man braucht nur einen bestimmten Aspekt daraus, sei es bestimmte Kapitel oder sei es ein bestimmtes Statement zu bestimmten Themen und dann ist natürlich das Schöne beim eBook: Suchfunktion. Sei es jetzt als PDF-Reader, sei es mit entsprechender eBook-Software, das ist ja unerheblich, aber es gibt ja überall so eine Suchfunktion, da gebe ich meine Schlagworte ein, die ich finden will, der durchsucht mir dann das gesamte Buch und ich habe schon mal locker fünf bis fünfzig Minuten eingespart, die ich halt ansonsten so einen Wälzer erstmal durchgearbeitet hätte. Das ist natürlich so ein großer Vorteil und da war gerade in diesem beruflichen Kontext, also wenn Bücher halt keine, keine private Lust versprühen, sondern vor allem ein Gebrauchsartikel sind, was ich vor allem in der Wissenschaft und auch in der Wirtschaft durchaus sehe. Also generell einfach Wissensressourcen an sich. Da dürfte die Akzeptanz zum einen sehr, sehr viel schneller kommen und das sind natürlich auch Punkte, mit denen man direkt werben kann. Also wo ich jetzt sagen kann, wenn du mit deinen Tätigkeiten sagst „Hier komm, Christian, ich habe jetzt die Idee gehabt, ich möchte für Prozessoptimierungen ein Buch rausbringen.“, dann können wir auch jetzt sagen „Komm, dann machen wir doch zwei Varianten: Einmal das gedruckte Buch für die Liebhaber und dann eben das eBook für diejenigen, die halt vor allen Dingen damit arbeiten wollen und dann können wir ja auch je nachdem die Zielgruppen halt entsprechend dann festlegen. Das wär dann vor allem auch psychografisch an der Stelle, was einfach die Sichtweise auf Buch angeht. Soll es ein gedrucktes Buch sein, soll es ein elektronisches Buch sein. Da gehen die Meinungen ja wirklich auseinander und ein 50-jähriger oder ein 15-Jähriger können da komplett unterschiedliche Ansichten haben. Also da gibt’s bei so etwas eigentlich nicht die Klischees. Es gibt natürlich die Erwartungshaltung, dass wahrscheinlich die ältere Generation eher das gedruckte Buch bevorzugen dürfte, aber das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, auch im Kontakt, das muss nicht unbedingt so sein und da macht es natürlich dann wirklich Sinn, erstmal zu sagen „Okay, wer ist meine Zielgruppe?“. Da gibt's verschiedene Möglichkeiten, da können wir locker eine eigene Folge wahrscheinlich zu machen oder halt alternativ … Recheremöglichkeiten., um erstmal die Zielgruppe in Erfahrung zu bringen und dann halt der einen Zielgruppe das gedruckte und der anderen Zielgruppe dass er elektronische Buch anzubieten.

Götz Müller: Ja, das ist gutes Stichwort. Zielgruppe noch mal und dieser Aspekt eben auch klassische Produkte und Leistungen, wie kann ich jetzt mit Social Media Marketing, Social-Media-Marketing-Prozessen mir dann neue Zielgruppen erschließen, durchaus auch unter dem relativ aktuellen Thema zu Mensch los was jetzt die Aufnahme angeht. Rezo und Reaktion der CDU auf dieses Video, was ja eher so ein bisschen nach hinten losging in meinen Augen.

Christian Allner: Da kann ich auch übrigens empfehlen, wer Interesse hat, ich habe einen recht ausführlichen Blogbeitrag bei socialmediastistik.de geschrieben, einfach Rezo in die Suchleiste dort eingeben, da habe ich mal handwerklich analysiert, was der so richtig gemacht hat, weswegen das Video ja so populär geworden ist und was eben die Partei CDU schlecht gemacht hat schlicht und ergreifend, also einfach handwerklich wie es lief.

Götz Müller: Was ist im Grunde, höre ich so ein bisschen raus mit Social Media gar nicht so viel zu tun hat, sondern was eben klassisch wieder das Marketing ist.

Christian Allner: Unterschiedlich. Also es durchaus klassisches Marketing, aber vor allem auch die Tatsache Social Media ist ja nicht mehr nur ein Trend, es ist auch nicht nur ein Teil unserer Gesellschaft. Es ist unsere Gesellschaft, die Netzkultur, Internet an sich, ist in den letzten Jahren nicht nur Teil unseren normalen Lebens geworden, es ist ja das normale Leben. Das Internet ist Teil unseres Alltags. Es ist einfach nur eine bestimmte Plattform, wo man sich halt eben auszudrückt, aber sonst ist es halt ein normaler Bestandteil unseres Lebens. Bestes Beispiel ist ja auch Martin Schulz, als er Kanzlerkandidat 2017 geworden ist, war ja zu großen Teilen gehypt worden, also dieser Martin-Schulz-Hype mit Vollenergie oder was es da an Schlagworten gab in dem Kontext, der Schulzzug, was es da so alles gab. Das ist zu einem großen Teil auf Reddit entstanden. Da gab es dann ein Subreddit, the_schulz, wo dann eben Martin Schulz als Retter Europas gefeiert wurde oder man sich halt eben Entsprechendes erhofft hat, genauso wie es auch ein anderes Subreddit gab namens the_Trump, wo dann eben Donald Trump gehypt worden ist. Das war dann vor allem noch ein bisschen früher gewesen, der US-Wahlkampf. Aber auch beide Konstellationen, wo man sagen kann, das ist definitiv ein normaler Teil unseres Alltags. Auch Barack Obama, als der damals seine Präsidentschaftswahlkampagne hatte, da wurde auch sehr, sehr viel auf Social Media gesetzt und das war in einer Zeit gewesen, so 2009, Uhr als er das erste Präsident wurde und dann 2013/14 rum bei der Wiederwahl, da war ja Social Media noch nicht so verbreitet, da war das in dem Sinne noch ein neuer Trend, was die gesellschaftliche Akzeptanz angeht. Inzwischen kommt man ohne eine gute Online-Kampagne gar nicht mehr aus, weil eben immer mehr Leute online aktiv unterwegs sind. Das belegen eigentlich alle Zahlen, alle Studien. Einfach mal Social-Media-Statistiken eingeben bei der Suchmaschine eures Vertrauens, liebe Hörer, da werdet ihr genügend Material finden in dem Bereichen, was einfach nur deutlich macht, immer mehr Leute sind online aktiv und auch immer verschiedenere Altersgruppen. Also nachdem so die Jugend, in Anführungsstrichen, also alles was bis 30 irgendwie geht, nachdem da jetzt die Masse einfach unterwegs ist, nachdem da teilweise die Zahlen sogar hier und da wieder leicht so gegangen sind, kommen jetzt die, in Anführungsstrichen, die Alten ab 30 immer mehr dazu. Also jetzt ist kommen so diese Nachzüglerphase, nach der Hypephase, der Verdammnisphase, in der wir jetzt gerade sind, kommen, denke ich, den nächsten zehn Jahren auch so ein bisschen die Normalisierungsphase, wo dann einfach, wo man sich dann mit der neuen Technologie anfreundet und sagt, ok, das ist sozusagen ein ganz normaler Teil unserer Welt. Es kann weder Krebs heilen, noch ist es das personifizierte Böse, sondern einfach eine weitere Technologie, die wir benutzen können.

Götz Müller: Ja, und ich kann mich aber im Grunde als Unternehmen dem gar nicht verschließen, weil ich ja nicht drauf vertrauen kann, dass alle Mitbewerber die gleiche abwinkende Bewegung machen, sondern es reicht ja, wenn einer sagt „Hey, coole Sachen, mache ich.“ und wie du es dann gesagt hast, es ist Teil unserer normalen Welt und dann fließen halt die Kundenströme plötzlich woanders hin.

Christian Allner: Ja bestes Beispiel ist ja die Plattform Quelle, die haben die die Digitalisierung verschlafen, die gibt's ja im Grunde gar nicht mehr. Karstadt kräht ja auch seit Jahren, genau auch wie Saturn beispielsweise, diesen Online-Shop-Boom ziemlich verpennt hatte und bis heute wirklich auch Probleme hat, wieder Marktanteile gutzumachen. Also wo in den 90er-Jahren als Amazon aufkam und vor allen in den 2000ern, als es dann groß wurde, als auch Alibaba in China aufkam, da wurden die ja noch belächelt und ich habe es jetzt erst vor kurzem auf einem Twitter-Kanal, 20 Jahre Tagesschau, da wird dann immer ein Beitrag der Tagesschau heute vor 20 Jahren geteilt und da ging es auch in dem einen Beitrag darum, dass der gesamte Onlineshop E-Commerce-Bereich „Ja, der kommt“ – das war so 1999 – „aber wird für den Einzelhandel, den stationären Einzelhandel also eher kein Problem sein, das ist keine Konkurrenz. Das ist ja eine ganz andere Kundenstruktur, die Leute gehen die lieber ins Geschäft.“ Ja, also wie sich das in der Realität entwickelt hat, wissen wir jetzt. Das sind jetzt zwanzig Jahre Unterschied, klar, das ist ein bisschen Zeit, aber sowas kann sich natürlich auch verändern. Sichtweisen können sich verändern. Ich meine, bestes Beispiel ist ja Facebook. Vor fünf Jahren, reicht ja schon, 2014, wie Facebook damals betrachtet wurde und wie es heute betrachtet wird, vor allem hat auch der Imageverlust dieser Marke.

Götz Müller: Genau. Okay, jetzt möchte ich zum Abschluss auf ein, im Grunde so ein bisschen ganz anderes Thema kommen, aber trotzdem sehr spannend auch, weil es dieses heute und vor vielen, vielen, vielen Jahren in eine Relation bringt und für mich dann auch wieder der Gedanke des Leans hier spannenderweise reinkommt, über das wir ja im Grunde noch gar nicht gesprochen haben. Nämlich ich habe auf deiner Website das Stichwort Buddhismus gelesen und auch die Philosophie, die du dahinter siehst und da habe ich dann einige Lean-Aspekte, einige Lean-Kulturaspekte wiedergefunden und das möchte ich noch ein paar Minuten vertiefen.

Christian Allner: Gerne. Was interessiert dich? Wie kann ich helfen?

Götz Müller: Ja, diese drei Philosophiepunkte, die du da nennst. Wie, vielleicht auch wieder in Relation zu Social Media, wie passen da die Dinge, vielleicht auch ein bisschen provokant gesagt, wie passen die Dinge da zusammen? Langfristige Partner, gegenseitiger Mehrwert und Konfrontation ohne Konflikt, um die drei Sachen zu nennen.

Christian Allner: Generell: Warum soll es nicht passen? Erstmal, denn was machen wir bei Social Media? Wir kommunizieren miteinander. Es ist einfach nur eine andere Form von Kommunikation und im besten Fall klappt ja auch im menschlichen Miteinander alles auf diesen Ebenen, dass ich als mit den Leuten konfliktfrei argumentieren und miteinander sprechen kann, denn, klar, man kann jetzt natürlich argumentieren, Konflikt, Katastrophen etc., das verkauft sich natürlich und es gibt ja auch einige bunte Blätter aus dem Boulevard-Bereich, die davon leben, aber am Ende: Ein Mensch will nicht den gesamten Tag nur Katastrophen, Mord und Totschlag. Irgendwann schaltet man doch einfach ab. Bei bestimmten Medien, die sich halt die ganze Zeit damit auseinandersetzen, da schaltet man ab und ich selbst bin halt auch ein Mensch, der sagt, ich muss nicht den gesamten Tage mit irgendwelchen Katastrophen mitbringen, wie das manche YouTuber ja auch bei sich pflegen, immer halt alles erstmal wird an die Wand malen von „Oh mein Gott, was ist jetzt wieder und das Abendland geht unter.“, so nach dem Motto. Man muss ja nicht alles überdramatisieren. Das ist für mich nämlich auch dieses buddhistische Prinzip, der mittlere Weg zwischen den Extremen zwischen totaler Emotionalität und totalem Hedonismus dadurch ja auch, also diese kompletten Weltzugewandtheit und ich lasse mich einfach nur vom Strom mitreißen und ich blase einfach nur in die Hörner, die eh schon da sind, dass das ist ein Extrem. Das andere Extrem wäre dann halt, ich verschließe mich komplett, also das wäre dann totale Askese. Das ist auch kein bisschen hilfreich, also so einfach so ein bisschen eine abgeklärte Grundhaltung von „Klar, Scheiße passiert in der Welt, aber wie relevant ist das jetzt zum Beispiel auch?“, Das ist so ein bisschen dieser Grundgedanke und da wurde mir auch schon mehrfach bestätigt dankenswerterweise von Teilnehmern in meinen Kursen oder von Kunden, dass ich halt so angenehm ruhig immer bin, dass das halt auch durchaus beruhigen würde, gerade wenn es um Krisenkommunikation geht. Da sind ja auch einige da schnell dabei erstmal, ja, sonst was für Probleme aufzumachen und da sage ich auch, ist es das Problem überhaupt wert, ist es diese Anstrengung, ist es diesen Aufwand überhaupt erstmal wert, was da jetzt passiert ist? Also jemand hinterlässt zum Beispiel bei Facebook oder bei Google Maps, also auf so einer My-Business-Seite einen negativen Beitrag, gibt eine schlechte Bewertung ab, dann ist es halt so. Nicht alle Menschen sind mit mir zufrieden. Ich denke mal, du wirst das wirklich auch schon paar Mal gehabt haben, dass du unzufriedene Kunden hattest.

Götz Müller: So richtig unzufrieden jetzt nicht, aber ich habe jetzt nicht nur fünf Punkte Bewertungen.

Christian Allner: Das ist halt auch einfach normal. Wir können niemals alle glücklich machen, sollten wir auch nicht. Das ist auch das schöne bei Social Media. Die Leute, die uns folgen abonnieren, die sich mit unseren Beiträgen auseinandersetzen, tun das freiwillig. Ich zwinge niemanden dazu, meine Blogbeiträge zu lesen oder jetzt bei uns beiden ja auch, wir sind ja beide Podcaster oder dass sich Leute dann hören, wir haben da keine Pistole, die wir davor halten und sagen „Du hörst das jetzt und du findest das toll.“, sondern die Leute machen das freiwillig, weil sie so wollen, weil sie Zeit investieren möchten. Und gerade dieser Aspekt des sich Zeit nehmen dafür, ist ja eigentlich das Wertvollste, was wir bekommen können, erstmal einen Vertrauensvorschuss, darüber da natürlich auch einen Beziehungsaufbau, ich möchte jetzt auch nicht zu weich werden, was die Faktoren angeht. Das ist am Ende ja eigentlich alles auch irgendwo harte Strategie, dass ich halt einfach auch meine Nutzern irgendwo eine abgeklärte Perspektive bieten möchte und dann natürlich auch mehr oder weniger die üblichen Verdächtigen bei YouTube, Instagram und Co, da kann ich jetzt einfach die Inhalte nehmen und sagen „Hier Leute, für den Wahnsinn und das Armgefuchtel mit dem ‚Oh mein Gott, wir werden alle sterben!‘, da gibt's das Video-Beispiel, ich mache jetzt mal eine beruhigte Analyse nach der Situation. Ich habe nämlich auch ganz bewusst bei diesem Rezo-Video noch eine Woche gewartet, bis sich das ganze so ein bisschen abgedampft hatte. Ich meine, da auch, es gibt andere, die sagen „Nee, musst du dann machen, wenn das Feuer noch heiß ist.“ Das wäre so eine klassische Huckepack-Taktik, wenn eh alle noch darüber reden, auch über das Thema berichten, mache ich bei anderen Punkten auch, aber da habe ich mir gedacht „Nee, ganz bewusst warte ich da noch ein bisschen. Zum einem, weil er ja auch in der Woche darauf dann noch mal ein Video online gestellt hatte, was darauf Bezug genommen hatte, also da habe ich dann auch diese Nachanalyse mit getätigt. Und da kann ich eigentlich nur sagen, dass diese, ja, gesamte Philosophie, wo du jetzt gerade diese drei Punkte mit aufgezählt hast, das ist einfach meine Herangehensweise, das können andere toll finden, scheiße finden. Da bin ich nur neutral an der Stelle, aber einfach diese langfristigen Partnerschaften finde ich wichtig, denn einfach nur so Business, Business und von einem Deal zum nächsten, wem bringt das großartig was? Das ist eigentlich nichts außer Stress erstmal, weil du halt immer nur kurzfristig von einem zum nächsten planen oder überhaupt gar nicht planen kannst und mir ist es halt auch wichtig Partnerschaften zu pflegen, denn am Ende, ja, wir müssen mit den Nachbarn auskommen, die wir haben.

Götz Müller: Ja und ich höre definitiv auch raus, dass das ein, ich nenne es jetzt mal Thema ist, die, glaube ich, dem Social Media an sich durchaus gut tun kann, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Christian Allner: Nicht nur gut tun kann, das wäre an vielen Stellen sehr, sehr angebracht, denn eins der Kardinalsprobleme, die wir momentan haben in dieser gesamten Debatte um soziale Medien ist ja, dass vor allem Bevölkerung ja ziemlich aufgeheizt wird, also so die „üblichen Massen“. Wenn da halt Agitatoren, das gab es früher genauso, das Radio wurde ja nicht umsonst in den 30er-Jahren als „Volksempfänger“ bezeichnet und da haben auch einige Organisationen, Gruppen und Menschen, die halt einfach hervorragend dieses Medium verstanden haben, und das ist jetzt bei Social Media nicht anders. Also wir sollten uns einfach mit dieser neuen Technologie auseinandersetzen. Neuland ist es eigentlich auch nicht mehr wirklich. Vielleicht hier und da noch für manche Teile der Bevölkerung, die einfach mit der ganzen Technologie noch nicht aufgewachsen sind. Das ist nämlich auch noch so ein Aspekte. Kenne ich es? Ist es ein normaler Teil meines Alltags? Und da machte sich vor allen Dingen auch diese Trennlinie auch mit auf. Dass man auch so ein bisschen auch sagen kann, die Leute, die es halt seit Geburt an kennen. Beispiel Facebook, das ist 2004 gegründet worden, also selbst Kinder, die damals geboren worden sind, sind jetzt 15 Jahre alt, die kennen eine Welt ohne Facebook gar nicht. Bewusst schon mal überhaupt nicht. Und das ist auch so ein schönes Beispiel dafür, ich habe auch heute noch mal mit 18-Jährigen zu tun bei verschiedenen Schulungen, Deutsches Rotes Kreuz etc., da führe ich auch gelegentlich so etwas mit durch und da finde ich auch die Sichtweisen immer interessant, denn viel ist halt Facebook inzwischen schon gar nicht mehr interessant. Das ist so, wie wir E-Mail oder Fax vielleicht betrachten in unserem Alter, so dieses, haben Mama und Papa schon verwendet. Dadurch ist es entweder uncool oder einfach nur langweilig, weil einfach schon da, das ist nichts Neues mehr.

Götz Müller: Okay. Christian, ich danke dir für deine Zeit. Speziell zum Schluss waren noch mal einige sehr interessante Gedanken dabei. Einerseits ganz weg von unserem Kernthema, trotzdem sehr spannend. Also, ich danke dir noch mal.

Christian Allner: Gerne, gerne. Und vielleicht als Abschlusshinweis für alle da draußen: Ruhig bleiben und die Tage so nehmen, wie sie kommen. Wir können es eh nicht großartig ändern, gewisse Dinge müssen wir einfach akzeptieren. Dass sie halt so sind, wie sie sind, das heißt nicht, dass wir uns nicht darüber aufregen können, aber die Aufregung halt auch einfach mal gut sein lassen irgendwann. Das ist speziell im Social-Media-Bereich wichtig, wenn ich einfach Groll in meinem Bauch mit mir rumtrage, weil mich irgendjemand am anderen Ende der Welt über irgendeinen Social-Media-Kanal man einmal angeraunzt hat, dann tu ich mir damit am Ende nur selbst weh und habe dann den gesamten Tag kaputt gemacht, den ich ansonsten hätte produktiv verbringen könne.

Götz Müller: Und vielleicht mal drüber schlafen.

Christian Allner: Genau. Also einfach ausklingen lassen, eine Nacht drüber schlafen. Morgen ist ein neuer Tag.

Götz Müller: Genau. Ich danke dir.

Das war die heutige Episode im Gespräch mit Christian Allner zum Thema Social-Media-Marketing-Prozesse. Notizen und Links zur Episode finden Sie auf meiner Website unter dem Stichwort 173.

Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freue ich mich über Ihre Bewertung bei iTunes. Sie geben damit auch anderen Lean-Interessierten die Chance, den Podcast zu entdecken.

Ich bin Götz Müller und das war Kaizen to go. Vielen Dank fürs Zuhören und Ihr Interesse. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bis zur nächsten Episode. Und denken Sie immer daran, bei allem was Sie tun oder zu lassen, das Leben ist viel zu kurz, um es mit Verschwendung zu verbringen.

Hinweis: Ich behalte mir vor, Kommentare zu löschen, die beleidigend sind oder nicht zum Thema gehören.