Lean und Golf, jetzt aber richtig

Golfspiel

Ok, ok, letzte Woche bin ich irgendwie vom Thema abgekommen. Deshalb nehme ich jetzt einen neuen Anlauf. Die Gedanken, die mir letzte Woche schon ansatzweise durch den Kopf gingen, haben etwas mit den zentralen Aspekten zu tun, die in meinen Augen (des blutigen Golflaien) das Golfspiel auszeichnen und vergleichbar auch im Lean Management relevant sind.

Jeder Schlag bedeutet eine neue Herausforderung, bei der man das Ergebnis vorher nicht wirklich kennt

Egal wie gut der letzte Schlag war, mit jedem neuen Schlag steht man wieder vor einer neuen Herausforderung. Die mag zwar einfacher werden, wenn man sich dem Loch nähert, aber sie verschwindet nie völlig.

Dieser Punkt bildet sich in meinen Augen eins zu eins auf die Fragestellungen ab, die im Rahmen der Coaching-Kata als Teil der Toyota-Kata im Zentrum stehen. Die einzige Ausnahme bildet dabei der Lernaspekt, der beim Golfspiel eher eine untergeordnete Rolle darstellt, während eher die Übung und Routine im Vordergrund stehen. Diese Tatsache kommt auch im ultimativen Golferwitz zum Ausdruck, der einfach lautet „Ich hab's kapiert“.

Wenn der Ball dann im Loch gelandet ist, steht die nächste Herausforderung schon vor der Tür, selbst wenn es das letzte Loch war.

Dabei handelt es sich bezogen auf den vorigen Punkt nur um eine höhere Ebene. Das heißt, wie im Lean-Kontext hat man vielleicht einen Etappensieg errungen bzw. den nächsten Ziel-Zustand erreicht, der aber nur ein Schritt in Richtung der übergeordneten Vision darstellt. Wohlwissend, dass diese so definiert sein sollte, dass sie im Grunde unerreichbar ist und deshalb einen dauerhaften Antrieb darstellt.

Selbst wenn ein Spiel vorbei ist, wird man nicht mit dem Spielen aufhören.

Im Grund ist Golf (wie die allermeisten Sportarten auch) ebenso wenig ein Zustand, wie das auch für Lean gilt. Man kann vielleicht in einer Saison bestimmte Punkte sammeln und damit einen Status erreichen. Aber in der nächsten Saison beginnt alles wieder von vorne und man kann auch auch nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Das gilt ins besondere dann, wenn man den Sport als Profi betreibt und wirtschaftliche Ergebnisse damit verknüpft sind. Das gilt nicht nur die direkten sportlichen Elemente, sondern auch fürs Sponsoring, Werbeeinnahmen u.ä.

„Golf ist ein Puzzle ohne Auflösung. Ich spiele schon vierzig Jahre und habe immer noch nicht die geringste Ahnung, wie man es richtig macht.“

– Gary Player

Im Lean-Kontext ist das Spiel oder die Saison – also das sportliche Element – vergleichbar zur Lieferung eines Produkts oder der Erbringung einer Dienstleistung. Sponsoring oder Werbeverträge sind die Wiederholversprechen und die Kundenzufriedenheit, die über die reine Leistung hinaus wirksam sind. Dabei sind nicht nur die direkten Leistungsprozesse relevant, sondern auch Dinge wie der Umgang mit Reklamationen u.ä. Sowohl die Leistungsprozesse wie auch in noch stärkerem Maß Reklamationsprozesse erfüllen im Bezug auf das Kano-Modell nur Basismerkmale, bei denen erst die Abwesenheit vom Kunden wirklich wahrgenommen wird und dann aber sofort negative Auswirkungen hat. Bei Reklamationsprozessen rede ich jetzt erstmal gar nicht vom verschenkten Potenzial, um die Leistungserbringung und die Kundenzufrieden auch über den direkten Leistungsbezug noch zu verbessern.

Letztlich kommt der nicht vorhandene Zustand auch in o.g. Golferwitz bzw. Golferzitat zum Ausdruck. Dabei sollte man sich aber auch im Lean-Kontext vor Augen halten, dass sich aus dem Lernen ebenfalls kein Zustand ableitet, sondern nur ein höheres Erkenntnisniveau bezogen auf den ursprünglichen Ist-Zustand.

Man kann die Mitspieler bzw. Gegner zwar beobachten und in beschränktem Maß auch etwas aus deren Spiel lernen. Man kann ihr Spiel aber nicht kopieren und muss jeden Ball selbst schlagen und trägt dafür auch alleine die Verantwortung

Dieser Punkt kann ebenfalls eins zu eins in den Lean-Kontext übertragen werden. Natürlich kann man sich bezogen auf einen bestimmten Platz anschauen, wie andere dort spielen, statt komplett unbesehen bei null anzufangen und bloß draufloszuschlagen. Aber keine Ballposition (außer dem ersten und selbst da gibt es Unterschiede in den Randbedingungen) wird der irgendeines anderen Spielers gleichen und eine Eins-zu-eins-Kopie eines perfekten Schlags wird sich deshalb nie wiederholen lassen.

Natürlich kann man bewährte Methoden und Werkzeuge in vergleichbaren Situationen einsetzen, aber die inhaltliche Ausgestaltung ist trotzdem jedes Mal ein Unikat. Letztlich so wie es einen Projektmanagementprozess gibt, die inhaltliche Ausprägung aber jedes Mal unterschiedlich ist.

Routinen und Standards spielen eine Rolle bei der Erreichung wahrer Professionalität

Vermutlich gilt diese Aussage für sämtliche Sportarten. Wenn man sich den (zeitlich geringen) Wertschöpfungsanteil beim Golfspielen anschaut ist die Relevant dabei aber in meinen Augen besonders hoch. Dies wird auch deutlich, wenn man sich die Übungssequenzen anschaut. Da wird nur der Schwung mit der Schläger- und Köperhaltung geübt. Das endet mit dem Abschlag des Balles und beginnt dann wieder von vorne. Das Laufen oder Fahren über den Platz gehört nicht dazu, obwohl das zusammen mit dem Warten bis man an der Reihe ist, vermutlich den größten zeitlichen Anteil umfasst.

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Frage: Welche Parallelen zwischen Golf und Lean kommen Ihnen noch in den Sinn? Was kann man aus diesen Parallelen lernen? Wie lässt sich das umsetzen?

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