Warum Lean Sorgen macht und wie man damit umgeht

Sorgen

Im allgemeinen und weiten Feld des Umgangs mit Lean Themen (absichtlich so unspezifisch ausgedrückt) gibt es einen Aspekt, den man immer berücksichtigen sollte, wenn man sich Gedanken über Einflussfaktoren macht, die auf Erfolg oder Misserfolg einwirken. Wie schon in der Überschrift angedeutet, fasse ich das unter dem Begriff Sorgen zusammen.

Bei den Sorgen geht es dabei sowohl um die Ursachen, um die Ausprägungen wie auch um die Folgen. Im Grunde sind das Punkte, wie auch an anderer Stelle im technischen Kontext (aber nicht nur) betrachtet werden. Dort geht es um Risiken, die sich aus unterschiedlich gelagerten Fehlern ergeben können.

Um von vornherein Missverständnissen entgegenzutreten, ich will Sorgen keinesfalls irgendwie mit (menschlichen) Fehlern gleichsetzen.

In o.g. Risiko-Fehler-Kontext ist die FMEA (Fehlermöglichkeitseinflussanalyse [1]) ein Mittel der Wahl, um Klarheit zu Risiken zu gewinnen, die sich aus Fehlern ergeben. Der besondere Augenmerk liegt dabei bei den Ausprägungen der Fehler, den Folgen, den Ursachen, den Chancen diese Ursachen zu erkennen, zu vermeiden und die Fehlerfolgen zu mindern. Es handelt sich dabei um eine multidimensionale Betrachtung eines Systems, einer Komponente, eines Prozesses usw.

Auch hier noch mal ein Einschub: Es geht mir auch nicht darum, den (einzelnen) Menschen oder eine Gruppe von Menschen mit einem technischen System gleichzusetzen.

Trotz der gemachten Einschübe, kann man aber in meinen Augen trotzdem Erfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit technisch geprägten reflektieren und sich Gedanken machen, was sich darauf auf andere Situationen anwenden lässt, speziell wenn dies auf einer Meta-Ebene geschieht.

Ausprägungen von Sorgen

Hier sehe ich drei verschiedene Punkte:

  • Sorgen um den Arbeitsplatz
  • Diese Sorge ist insofern berechtigt, dass dies in den 1990er-Jahren und tw. auch heute noch immer noch ein auftretender Effekt ist, wenn aufgrund von Optimierungen bestimmte Tätigkeiten wegfallen und die Unternehmen diese Gelegenheit nutzen, die entsprechenden Mitarbeiter*innen zu entlassen, statt für sie eine neue Aufgabe im Unternehmen verfügbar zu machen.

  • Sorgen um die (Führungs-)Rolle
  • Im Lean-Kontext erhalten Führungskräfte neue Rollen. Dazu gehört ein Wandel vom Problemlöser zum Coach. Zur Herausforderung für Führungskräfte wird dies besondere dann, wenn das frühere Verhalten der Auslöser für die Beförderung zur Führungskraft gewesen ist. Ein Teil der Sorgen von Führungskräften hängt damit auch mit den neuen Anforderungen im nächsten Punkt zusammen.

  • Sorgen aufgrund neuer Anforderungen

Hierunter fallen die neuen Elemente, die über die bisherige Tätigkeiten hinausgehen und bspw. nicht Teil der eigenen Ausbildung gewesen sind. Dies sind bspw. auch Punkte, die über die evtl. rein mechanisch-physischen Tätigkeiten hinausgehen und größere Zusammenhänge und deren Erfassung umfassen.

„Mach' dir keine Sorgen über Deine Schwierigkeiten mit der Mathematik. Ich kann dir versichern, dass meine noch größer sind.“

– Albert Einstein

Ursachen von Sorgen

Die Ursachen der Sorgen hängen stark mit den Ausprägungen zusammen. In vielen Fällen sind sie durch eine Form des Taylorismus verursacht, der mit einer erworbenen oder auch aufgeprägten Unselbstständigkeit einhergeht. Begründet ist dies tw. in einer falsch verstandenen Ausprägung von Fürsorge („Du musst Dich nicht um das Denken kümmern, das übernehme schon ich für Dich”), die auch mit der Unbequemheit von Lernerfahrungen im Rahmen der Weiterentwicklung auftritt und an sich schon mit dem Ausdruck der damit verbundenen Sorgen einhergehen kann. Hier kann es dann leicht zu einem wechselseitigen Teufelskreis kommen.

Folgen von Sorgen

Als Folge der Sorgen können Ängste auftreten, wie die o.g. neuen oder auch zusätzlichen Anforderungen bewältigt werden können (bzgl. des Zeitbedarfs und der Fähigkeiten). Daraus resultieren dann oft Vorbehalte und Widerstände, die sich aber nicht notwendigerweise in den Äußerungen der Menschen auf die eigentlichen Ursachen beziehen, sondern Alibiäußerungen sein können, auch um sich hier keine Blöße geben zu müssen (vor anderen aber auch vor sich selbst und dem eigenen Selbstverständnis).

Umgang mit Sorgen

In meinen Augen der falsche Weg ist es, die Sorgen der Menschen nicht ernst zunehmen und sie bspw. mit (durchaus wohlgemeinten) Motivationsaussagen vom Tisch wischen zu wollen, àla „stell' Dich doch nicht so an …“ oder „komm, so schlimm ist es auch wieder nicht …“. Ein häufiger Effekt, der sich daraus ergibt, ist schlichtweg, dass die Menschen sich nicht ernst genommen fühlen, was dann wiederum den Widerstand verstärken und auf andere Ebenen verlagern kann. An dieser Stelle hatte ich beim Schreiben des Artikels echte Herausforderungen ein passendes Zitat zu finden, das nicht genau in diese Horn geblasen hätte.

Umgekehrt ist aber auch auch das andere Extrem ein schwieriger Weg, wenn dann daraus die oben angedeutete Unselbstständigkeiten resultiert, bspw. indem den Menschen bestimmte Informationen vorenthalten werden, damit sie sich vermeintlich keine Sorgen machen aber gleichzeitig auch nie die Chance erhalten, mit Herausforderungen der unterschiedlichsten Art umzugehen.

Persönlich habe ich die beste Erfahrung damit gemacht, wenn die wahrgenommenen Bedenken und Sorgen thematisiert werden, d.h. damit dem Gegenüber auf jeden Fall signalisiert wird, dass sie wahrgenommen wurden. Gleichzeitig ist das auch eine Chance die eigene Wahrnehmung mit der des Gegenübers abzugleichen (in meinen Augen existiert hier keine ultimative Wahrheit). Bei den Job Relation Trainings aus dem Training Within Industry (TWI) wird bspw. davon ausgegangen, dass Meinungen und Gefühle (und als solche auch die Sorgen) der Betroffenen die Wertigkeit und Bedeutung von Fakten haben. Der Versuch, diesen Aspekt wegzudiskutieren, führt in der Regel nur zur Vertiefung und in der Folge Verhärtung der Fronten.

In dem Augenblick, wo von beiden Seiten aus ein gemeinsames Verständnis der Sorgen erreicht wird, entsteht gleichzeitig eine erste Gemeinsamkeit und gemeinsame Basis, um dann ähnlich wie bei einem „technischen“ Problem ein Ziel zu definieren und einen gemeinsamen Weg der Problemlösung zu suchen.

An dieser Stelle will ich nochmals auf die eingangs gemachte Aussage referenzieren und deutlich machen, dass es zwischen dem Umgang mit (technischen) Risiken, Fehlern und Problemlösungen und menschlichen Sorgen durchaus Ähnlichkeiten gibt und Erfahrungen wechselseitig übertragbar ist. Eine Gemeinsamkeit ist dabei die Betrachtung einer Situation aus möglichst vielen Blickwinkeln, um im wahrsten Sinn des Wortes möglichst viele Aspekte zu berücksichtigen und daraus die bestmögliche Lösung zu entwickeln.

Wenn Sie wissen möchten, wie das Job Relations Training Führungskräfte im Umgang mit Sorgen und anderen menschlichen Problemen unterstützen kann, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir über dieses Formular auf oder greifen Sie einfach zum Telefon und rufen Sie mich unter 0171-7342717 an.

Falls die Umstände für Sie aktuell eine Kontaktaufnahme verhindern, legen Sie sich doch eine Wiedervorlage an.

[1] Fehlermöglichkeitseinflussanalyse
[2] Job Relations Training

Frage: Welche Sorgen sind Ihnen im Lean-Kontext schon begegnet? Welche Folgen haben sich daraus ergeben? Wie sind Sie damit umgegangen?

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