Warum Lean wie ein Schwamm ist

Schwamm

Vor kurzem ist mir ein Schwamm als Metapher für Veränderungen bzw. den Umgang damit begegnet. Der Idee ist dabei, dass Veränderungen wie Wasser auf den Schwamm wirken und irgendwann seine Saugfähigkeit überschreiten. Dann kann er kein zusätzliches Wasser mehr aufnehmen und verliert seine Wirkung.

Primär steht der Schwamm damit auch für die Veränderungsfähigkeit und -bereitschaft des Menschen. Wenn zu viele Veränderungen sprichwörtlich auf ihn einströmen, überlastet es seine Aufnahmefähigkeit und allgemeine Fähigkeit, damit umzugehen.

Deshalb ist es notwendig, auch immer wieder ruhigere Phasen zu haben, in denen das Wasser aus früheren Veränderungen auch wieder verdunsten kann, was im menschlichen Fall dafür steht, dass eine Anpassung an die Veränderung stattgefunden hat und auch Erholungsphasen eingetreten sind.

Die Schwamm-Metapher wirkt aber auch am anderen Ende des Veränderungsspektrum, wenn sehr lange gar keine Veränderungen mehr stattgefunden haben und der Schwamm völlig ausgetrocknet ist. Dann ist der Schwamm wie ein ausgetrockneter Boden auch nicht in der Lage, Wasser aufzunehmen und zu speichern, speziell wenn das Wasser bzw. die Veränderung wie ein Sturzbach oder Wolkenbruch über ihn einbricht.

Eine weitere Metapher im Kontext von Veränderungen ist ein Muskel. Mit jeder Belastung gefolgt von Ruhe- und Erholungsphasen nimmt seine Leistungsfähigkeit zu. Trotzdem darf auch hier keine Überlastung stattfinden und manchmal ist auch das Warmmachen ein wichtiger Aspekt.

In diesem Fall kommt dann der Führungskraft auch die Rolle eines Coachs zu, der den Trainingsstand des Mitarbeiters beobachtet, durchaus für Herausforderungen sorgt, aber immer auch die mögliche (Selbst-)Überlastung im Blick hat und für Ruhephasen zur Erholung sorgt.

„Lernen ist oftmals einfach, weil der menschliche Geist wie ein Schwamm von erstaunlichem Aufnahmevermögen und großer Saugkraft funktioniert – jedenfalls dann, wenn seine Poren durch richtige Ausbildung und Motivation offen gehalten wurden.“

– Stephen Jay Gould

Die Führungskraft unterstützt dann auch im Umgang mit Veränderungen, wie ein Trainer die Entwicklung unterstützt. Im Umgang mit Veränderungen sind das Eigenschaften wie

  • positive Einstellung
  • fokussierter Umgang
  • Flexibilität
  • Organisiertheit
  • Proaktivität

Je nach Situation und individueller Betroffenheit durch die Veränderungen können bestimmte Eigenschaften stärker von Vorteil sein als andere. Von der Führungskraft ist dabei die situative Wahrnehmung gefordert – einerseits welche Eigenschaft nützlicher ist als andere und andererseits welche Eigenschaft noch ausgebaut werden sollte, bzw. wo die Flexibilität der Eigenschaften in der Anwendung Vorteile hat.

Ausgehend von der Einschätzung der Situation und der Bewertung der wahrgenommenen Reaktionen, ist es dann auch Aufgabe der Führungskraft entsprechende Maßnahmen auszuwählen und umzusetzen.

Diese Anforderungen treffen auch im Lean-Kontext zu. Sei es, dass sich durch Verbesserungen das Arbeitsumfeld oder die Tätigkeiten der Menschen verändern, oder dass sie selbst gefordert sind, an diesen Veränderungen selbst gestaltend mitzuwirken und sich dadurch auch ihre Arbeitsinhalte verändern.

Auch wenn die beschriebenen Maßnahmen und vorangegangene Einschätzungen natürlich hochgradig individuell auf die betreffende individuelle Person zugeschnitten sein sollte, folgt der zugrundeliegende Prozess trotzdem festen Schritten und Strukturen.

Die Vier-Schritte-Methode der Job Relations aus dem Training Within Industry bietet genau diesen Handlungsrahmen, ohne dass dabei die inhaltliche Flexibilität und entsprechende Adaption auf die individuelle Person und ihre Bedürfnisse zu kurz kommt.

Um die Methode kennen zu lernen und einschätzen zu können, ist auf dieser TWI-Übersichtsseite eine kleine eMail-Serie verfügbar (nach Abschluss gefolgt von einer weiteren).

Wenn Sie insgesamt die Bestandteile des Training Within Industry kennen lernen möchten, können sich auf dieser Seite im Detail darüber informieren. Sie können dazu auch Ihre spezifische Situation und Ihre Bedürfnisse in die Betrachtung einbeziehen.

Frage: Welches Bild haben Sie von Veränderungen und den Auswirkungen auf die beteiligten und betroffenen Menschen? Wie gehen Sie mit den Reaktionen der Menschen um? Wie können Sie die Menschen im Umgang mit Veränderungen unterstützen?

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